Pflegeheimreinigung: Hygiene, Vergabe und Kalkulation

Ende 2023 lebten in Deutschland rund 800.000 pflegebedürftige Menschen vollstationär in Pflegeheimen, betreut in rund 16.500 Einrichtungen (Destatis, Pflegestatistik 2023). Jedes dieser Häuser muss täglich gereinigt werden, und zwar nach einem Hygieneplan, den das Gesundheitsamt kontrollieren darf. Für Reinigungsbetriebe ist das ein Markt mit langen Verträgen und stabiler Nachfrage. Aber auch einer, in dem Fehler nicht beim Kunden auffallen, sondern bei den Bewohnern.
Das Wichtigste in Kürze
- →Pflegeheime führen nach § 36 IfSG einen Hygieneplan, der auch die Reinigung und Desinfektion verbindlich regelt
- →Fachlicher Maßstab sind die KRINKO-Empfehlungen, für den Arbeitsschutz eurer Kräfte gilt die TRBA 250
- →Gereinigt wird im Zuhause der Bewohner: Takt, Ruhezeiten und Umgang mit Menschen mit Demenz sind Teil der Leistung
- →Private und freigemeinnützige Träger vergeben meist direkt, kommunale Häuser oft per Ausschreibung
- →Kalkuliert wird nach Zimmern und Funktionsbereichen, nicht nach einer pauschalen Quadratmeterleistung
Was Pflegeheimreinigung ausmacht
Pflegeheimreinigung ist Unterhaltsreinigung in einer Einrichtung, die gleichzeitig Wohnung und Ort mit erhöhtem Infektionsrisiko ist. Die Bewohner sind alt, häufig mehrfach erkrankt und ihr Immunsystem ist geschwächt. Laut Destatis sind 78 Prozent aller Pflegebedürftigen 65 Jahre und älter, rund ein Drittel ist 85 oder älter. Was im Büro ein Schönheitsfehler ist, kann hier eine Infektionskette auslösen.
Der zweite Unterschied ist weniger technisch und wird trotzdem am häufigsten unterschätzt: Ihr reinigt im Zuhause von Menschen. Das Bewohnerzimmer ist kein Büro, das um 18 Uhr leer ist. Dort sitzt jemand im Sessel, schläft nach dem Mittagessen oder fragt zum dritten Mal am Vormittag, wer ihr seid. Wer diesen Teil nicht mitdenkt, verliert den Auftrag, auch wenn jede Fläche sauber ist.
Dazu kommt die Vielfalt der Räume. Ein typisches Haus hat Bewohnerzimmer mit Nasszellen, Pflegebäder, Speisesäle und Wohnküchen, Aufenthaltsbereiche, Dienstzimmer, unreine Arbeitsräume, Verwaltung und Treppenhäuser. Jeder Bereich hat eigene Turnusse, eigene Mittel und eigene Farbcodes für Tücher. In unserer Erfahrung scheitern Einsteiger selten am Putzen, sondern daran, diese Logik sauber in Abläufe zu übersetzen.
Welche Regeln für die Hygiene gelten
Die rechtliche Grundlage ist § 36 Infektionsschutzgesetz: Einrichtungen zur Betreuung und Unterbringung älterer oder pflegebedürftiger Menschen legen ihre innerbetrieblichen Verfahren zur Infektionshygiene in Hygieneplänen fest und unterliegen der infektionshygienischen Überwachung durch das Gesundheitsamt. Wie ein solcher Plan aufgebaut ist, beschreibt das Robert Koch-Institut. Für euch heißt das: Nicht ihr bestimmt, wie gereinigt wird, sondern der Hygieneplan des Hauses. Euer Leistungsverzeichnis muss dazu passen.
Fachlich stützen sich die Pläne auf die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim RKI. Zwei davon sind für euch zentral: die Empfehlung zur Infektionsprävention in Heimen und die Empfehlung zu den Anforderungen an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen. Letztere unterscheidet, wo eine Reinigung reicht und wo desinfizierend gereinigt wird, etwa bei Handkontaktflächen, im Sanitärbereich und in Zimmern mit Infektionen.
Die dritte Säule betrifft eure eigenen Leute. Die TRBA 250, die Technische Regel für biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege, gilt auch für Reinigungskräfte in Pflegeheimen. Sie verlangt eine Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung, persönliche Schutzausrüstung und arbeitsmedizinische Vorsorge. Heimleitungen fragen immer häufiger nach, ob ihr das nachweisen könnt. Kommt die Frage im Erstgespräch, sollte die Antwort ein Ordner sein und kein Achselzucken.
Diese Bereiche gehören zum Auftrag
Der Leistungsumfang eines Pflegeheims lässt sich in fünf Bereiche gliedern, die sich in Turnus und Mitteln deutlich unterscheiden. Wer sie im Angebot zusammenwirft, kalkuliert fast zwangsläufig falsch. Wie ihr die Positionen formal sauber aufschreibt, zeigt unser Leitfaden zum Leistungsverzeichnis in der Reinigung.
- Bewohnerzimmer mit Nasszelle. Meist tägliche Sichtreinigung mit Sanitär und Handkontaktflächen, dazu eine gründlichere Reinigung ein- bis zweimal pro Woche. Persönliche Gegenstände werden nur nach Absprache bewegt.
- Pflegebäder und Sanitärräume. Desinfizierende Reinigung nach Hygieneplan, häufig mehrmals täglich bei hoher Nutzung.
- Speisesäle, Wohnküchen, Aufenthaltsräume. Nach den Mahlzeiten, mit Blick auf Lebensmittelhygiene und Sturzgefahr durch nasse Böden.
- Funktionsräume. Dienstzimmer, unreine Arbeitsräume, Lager, Verwaltung. Hier gelten teils strengere, teils lockerere Intervalle als im Wohnbereich.
- Verkehrsflächen und Außenbereiche. Flure, Aufzüge, Treppenhäuser, Eingangsbereich. Hohe Frequenz, viele Handläufe und Taster.
Oft nicht enthalten, aber gern nachgefragt: Wäscheversorgung, Glasreinigung und Grundreinigung bei Bewohnerwechsel. Klärt früh, was zu eurem Auftrag gehört und was gesondert abgerechnet wird. Die Grundreinigung nach einem Auszug ist ein gutes Beispiel: Sie kommt unregelmäßig, muss aber schnell gehen, weil das Zimmer oft innerhalb weniger Tage neu belegt wird.

Der Ablauf im Wohnbereich
Der Tag im Pflegeheim hat einen festen Takt: Grundpflege am Morgen, Frühstück, Therapien, Mittagessen, Mittagsruhe, Nachmittagsangebote. Eure Reinigung muss in diesen Takt passen, nicht umgekehrt. Bewährt hat sich, Zimmer dann zu reinigen, wenn die Bewohner beim Frühstück oder in der Gruppe sind, und Speisesäle direkt nach den Mahlzeiten. Wer um 13 Uhr mit dem Staubsauger über den Flur fährt, hat am nächsten Tag ein Gespräch mit der Pflegedienstleitung.
Innerhalb des Zimmers gilt die Regel von rein nach unrein und von oben nach unten. Farbcodierte Tücher trennen Sanitär von Wohnbereich, Tücher werden pro Zimmer gewechselt. Klingt selbstverständlich? Ist es auf dem Papier. In der Praxis entscheidet sich die Qualität daran, ob der Reinigungswagen so bestückt ist, dass die Kraft gar nicht erst in Versuchung kommt, ein Tuch zweimal zu nehmen.
Besonders heikel sind Zimmer mit Infektionen, etwa bei Norovirus oder multiresistenten Erregern. Hier gibt der Hygieneplan vor, welche Schutzausrüstung, welche Mittel und welche Reihenfolge gelten. Üblich ist, solche Zimmer zuletzt zu reinigen und nach Aufhebung der Maßnahmen eine Schlussdesinfektion durchzuführen. Sprecht diese Abläufe vor Vertragsbeginn mit der Hygienebeauftragten des Hauses durch. Das signalisiert Kompetenz und verhindert Streit im Ernstfall.
Und dann ist da noch der menschliche Teil. Viele Bewohner leben mit Demenz. Eine Reinigungskraft, die sich jeden Morgen vorstellt, anklopft, wartet und erklärt, was sie tut, wird Teil des vertrauten Umfelds. Ständig wechselnde Gesichter verunsichern dagegen. Deshalb ist ein festes Team pro Haus hier kein Luxus, sondern Teil der Leistung, und Heimleitungen fragen gezielt danach.
Wie Träger Reinigungsaufträge vergeben
Wer vergibt, hängt vom Träger ab. Private Betreiber und freigemeinnützige Träger wie Wohlfahrtsverbände entscheiden meist direkt: Besichtigung, Angebot, Gespräch mit Heim- und Pflegedienstleitung, oft auch mit der Hygienebeauftragten. Größere Träger bündeln dabei gern mehrere Häuser in einer Region. Kommunale Einrichtungen können dagegen als öffentliche Auftraggeber an das Vergaberecht gebunden sein und schreiben aus.
In beiden Fällen gilt: Der Preis ist selten das einzige Kriterium. Heimleitungen haben meist schon einmal erlebt, was ein billiger Dienstleister mit hoher Fluktuation im Haus anrichtet. Sie wollen wissen, wie ihr Personal haltet, wie ihr Vertretungen organisiert und wie ihr Qualität nachweist. Was in öffentlichen Verfahren verlangt wird, steht in unseren Leitfäden zur Ausschreibung in der Gebäudereinigung und zu öffentlichen Aufträgen. Die Anforderungen ähneln denen in der Krankenhausreinigung, sind aber in der Regel weniger formalisiert.
Unser Rat für den Vertrieb: Kommt mit einem kurzen Hygienekonzept ins Erstgespräch. Zwei Seiten reichen. Wie ihr Tücher trennt, wie ihr Isolationszimmer behandelt, wie ihr schult und wie ihr dokumentiert. In den Betrieben, die wir begleiten, ist genau dieses Papier häufig der Moment, in dem das Gespräch von der Preisfrage zur Frage nach dem Starttermin kippt.
Das Gesundheitsamt steht im Haus. Und dein Reinigungsnachweis liegt im Spind.
Dienstag, 9:40 Uhr. Die Heimleitung ruft an: Begehung durch das Gesundheitsamt, gefragt wird nach der Schlussdesinfektion im Zimmer 214 nach dem Norovirus-Ausbruch vor drei Wochen. Deine Kraft hat sie gemacht, gründlich und nach Plan. Nur steht es auf einem Formular, das irgendwo zwischen Wohnbereich und Büro liegt. Solche Momente entscheiden, ob der Vertrag im nächsten Jahr verlängert wird.
- ✓Jeder Einsatz hängt am Objekt, mit Bereich, Uhrzeit, Person und Fotos, abrufbar in Sekunden.
- ✓Schichten und feste Teams planst du zentral, damit dieselben Gesichter in denselben Wohnbereichen bleiben.
- ✓Anfragen neuer Träger landen in einer Pipeline, statt im Postfach unterzugehen, während du im Objekt stehst.
So kalkulierst du ein Pflegeheim
Kalkuliert wird nicht über eine pauschale Quadratmeterleistung, sondern über Zeit je Zimmer und je Funktionsbereich. Ein Bewohnerzimmer mit Nasszelle hat eine überschaubare Fläche, aber viele Kontaktpunkte, Möbel, Hilfsmittel und oft einen Bewohner, der gerade da ist. Die Leistungswerte liegen deshalb deutlich unter denen einer Büroetage. Wie ihr realistische Werte ansetzt, zeigt unser Beitrag zu Richtwerten für die Reinigungsleistung.
Auf der Kostenseite steht zuerst der Lohn. Der Tariflohn im Gebäudereinigerhandwerk liegt in Lohngruppe 1 im Jahr 2026 bei 15,00 Euro je Stunde (BIV) und damit über dem gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro. Dazu kommen Personalzusatzkosten von rund 29 Prozent (Destatis). Details zu den Lohngruppen findest du im Beitrag zum Tariflohn in der Gebäudereinigung 2026.
Vier Positionen werden in Pflegeheimen regelmäßig vergessen: Einarbeitungs- und Schulungszeit für Hygiene und Umgang mit Bewohnern, Vertretungsreserve für ein festes Team, Mehraufwand bei Infektionslagen und die Zeit für Dokumentation. Legt für Infektionslagen und Grundreinigungen bei Bewohnerwechsel eigene Preise fest, statt sie in der Monatspauschale zu verstecken. Wie du den Stundensatz systematisch aufbaust, steht im Leitfaden zum Stundensatz in der Gebäudereinigung.

Der Weg zum ersten Pflegeheim
Der Einstieg gelingt selten über den großen Träger mit zwanzig Häusern. Realistischer ist ein einzelnes Haus in eurer Region, idealerweise eines, bei dem ihr schon etwas anderes macht, etwa Glasreinigung oder Verwaltung. Dort lernt ihr den Takt kennen, baut ein Team auf und sammelt die Referenz, die beim nächsten Träger zählt.
Drei Dinge solltet ihr vorbereitet haben, bevor ihr aktiv anfragt: ein kurzes Hygienekonzept, Nachweise zu Schulung und Arbeitsschutz nach TRBA 250 und einen Plan, wie ihr ein festes Team mit Vertretung besetzt. Genau am letzten Punkt hakt es in der Praxis am häufigsten. Wer hier Unterstützung braucht, findet Ansätze in unseren Leitfäden zu Reinigungskräfte finden und zur Mitarbeiterbindung.
Und die Sichtbarkeit? Heimleitungen suchen Dienstleister zunehmend online, oft mit sehr konkreten Begriffen wie Reinigung Pflegeheim plus Stadt. Eine eigene Leistungsseite mit Hygienekonzept, Ablauf und Ansprechpartner wirkt hier deutlich vertrauenswürdiger als eine allgemeine Unterhaltsreinigungsseite. Wie das aufgebaut ist, zeigen unsere Leistungen für Reinigungsbetriebe.
Häufig gestellte Fragen
Was unterscheidet Pflegeheimreinigung von Büroreinigung?
Im Pflegeheim wird in einem bewohnten Zuhause gereinigt, das gleichzeitig eine Einrichtung mit erhöhtem Infektionsrisiko ist. Maßgeblich ist der Hygieneplan des Hauses nach § 36 IfSG. Handkontaktflächen werden häufig desinfizierend gereinigt, es gibt Regeln für Zimmer mit Infektionen, und das Personal arbeitet täglich im Kontakt mit Bewohnern.
Welche Vorgaben gelten für die Reinigung im Pflegeheim?
Pflegeheime müssen nach § 36 Infektionsschutzgesetz Hygienepläne führen und unterliegen der Überwachung durch das Gesundheitsamt. Fachliche Grundlage sind die KRINKO-Empfehlungen zur Infektionsprävention in Heimen und zur Flächenreinigung und Flächendesinfektion. Für den Arbeitsschutz des Reinigungspersonals gilt die TRBA 250 zu biologischen Arbeitsstoffen.
Wie oft wird ein Bewohnerzimmer gereinigt?
Üblich ist eine tägliche Sichtreinigung mit Sanitärbereich und Handkontaktflächen sowie eine gründlichere Reinigung ein- bis zweimal pro Woche. Der genaue Turnus steht im Hygieneplan und im Leistungsverzeichnis des Hauses. Bei Infektionen, etwa Norovirus, gelten verkürzte Intervalle und eine Schlussdesinfektion nach Aufhebung der Maßnahmen.
Worauf sollten Reinigungsfirmen beim Einstieg achten?
Wichtig sind ein festes Team pro Haus, eine dokumentierte Hygieneschulung, gelistete Desinfektionsmittel und klare Abläufe für Isolationszimmer. Genauso zählt der Umgang mit Bewohnern, besonders mit Menschen mit Demenz. Heimleitungen achten stark auf Verlässlichkeit, weil jeder Personalwechsel für Bewohner eine Belastung ist.
Wie werden Aufträge in Pflegeheimen vergeben?
Das hängt vom Träger ab. Private und freigemeinnützige Träger vergeben meist direkt nach Angebot und Besichtigung, oft gebündelt für mehrere Häuser. Kommunale Einrichtungen können als öffentliche Auftraggeber an das Vergaberecht gebunden sein und schreiben dann aus. In beiden Fällen entscheiden Hygienekonzept und Referenzen häufig mehr als der reine Preis.
Fazit: Vertrauen schlägt Preis
Pflegeheimreinigung ist anspruchsvoller als klassische Unterhaltsreinigung, aber sie belohnt Betriebe, die sauber organisiert sind. Die Nachfrage ist stabil, die Verträge laufen lange, und wer einmal das Vertrauen einer Heimleitung gewonnen hat, wird selten wegen ein paar Euro ausgetauscht. Der Schlüssel liegt in drei Dingen: Hygieneplan verstehen, festes Team halten, jeden Einsatz belegen können.
Reinigungsmarketing hilft Reinigungsunternehmen, genau diese Auftraggeber gezielt zu erreichen: Träger und Heimleitungen in der eigenen Region, als Direktkunden und exklusiv pro Gebiet. Wer das Segment Pflege aufbauen will, sollte Positionierung und Vertrieb von Anfang an darauf ausrichten.
Pflegeheime als Kunden gewinnen
Im kostenlosen Erstgespräch zeigen wir dir, wie du Träger und Heimleitungen in deiner Region erreichst und dein Hygienekonzept so präsentierst, dass nicht der Preis entscheidet.
Mo–Fr, 09:00–18:00 Uhr · Ansprechpartner: Dusan Andric, Leitung Beratung & Vertrieb