Richtwerte Reinigungsleistung: m² pro Stunde realistisch planen

Jede Kalkulation in der Unterhaltsreinigung steht auf zwei Beinen: dem Stundensatz und der Leistung je Stunde. Der Stundensatz lässt sich sauber herleiten, denn der Branchenmindestlohn liegt 2026 in Lohngruppe 1 bei 15,00 Euro (BIV). Das zweite Bein aber wird meist geschätzt. Und genau dort entstehen die Objekte, die auf dem Papier profitabel aussehen und im Alltag Geld kosten.
Das Wichtigste in Kürze
- →Ein Richtwert sagt, wie viele Quadratmeter eine Kraft in einer Stunde in einer bestimmten Raumart schafft, inklusive Rüst- und Wegezeit
- →Die Spanne ist riesig: Sanitärbereiche liegen bei rund 60 bis 120 m² je Stunde, große Hartbodenflächen mit Maschine um ein Vielfaches darüber
- →Möblierung, Bodenbelag, Raumzuschnitt und Wegezeiten verschieben den Wert stärker als die reine Quadratmeterzahl
- →Stundenverrechnungssatz geteilt durch Leistungswert ergibt den Preis je Quadratmeter und Reinigungsgang
- →Richtwerte sind der Startpunkt, gemessene Ist-Zeiten sind die Wahrheit: Ohne Zeiterfassung bleibt jede Nachkalkulation ein Gefühl
Was ist ein Richtwert in m² pro Stunde?
Ein Leistungswert beschreibt, wie viele Quadratmeter eine Reinigungskraft in einer Stunde in einer bestimmten Raumart bei einem bestimmten Leistungsumfang bewältigt. Er ist eine Planungsgröße aus der Praxis, keine Norm und keine gesetzliche Vorgabe. Genutzt wird er an zwei Stellen: bei der Erstkalkulation eines Objekts und beim Vergleich, ob ein laufendes Objekt aus dem Ruder läuft.
Entscheidend ist, was im Wert enthalten sein soll. Viele Betriebe rechnen mit einer reinen Reinigungsleistung und vergessen, dass Umkleiden, Materialholen, Wege zwischen Etagen und das Aufschließen ebenfalls bezahlt werden müssen. Unser Rat: Kalkuliere Leistungswerte immer inklusive Rüst- und Wegezeit. Dann ist der Wert niedriger, aber er stimmt, und genau das entscheidet am Monatsende über die Marge.
Richtwerte je Raumart im Überblick
Die folgenden Spannen sind Planungswerte aus der Praxis für die tägliche oder mehrmals wöchentliche Unterhaltsreinigung, jeweils inklusive Rüst- und Wegezeit. Sie ersetzen keine Begehung, geben aber eine realistische Ausgangsgröße, bevor du ein Angebot schreibst.
- Offene Büroflächen, Großraum: rund 250 bis 400 m² je Stunde, je nach Anzahl der Arbeitsplätze und Papierkörbe
- Möblierte Einzelbüros: rund 150 bis 250 m² je Stunde, viele Türen und Möbel kosten spürbar Zeit
- Flure und Verkehrsflächen: rund 400 bis 700 m² je Stunde, wenig Mobiliar und durchgehende Bahnen
- Treppenhäuser: rund 100 bis 200 m² je Stunde, Stufen und Geländer sind reine Handarbeit
- Sanitärbereiche: rund 60 bis 120 m² je Stunde, der zeitintensivste Bereich im Objekt
- Umkleiden und Sozialräume: rund 150 bis 250 m² je Stunde, stark abhängig von Belegung und Spinden
- Große Hartbodenflächen mit Scheuersaugmaschine: ein Vielfaches der Handreinigung, typischerweise vierstellig je Stunde
Was daran sofort auffällt: Zwischen Sanitär und Verkehrsfläche liegt in derselben Immobilie ein Faktor von rund fünf. Wer ein Objekt pauschal mit einem Durchschnittswert kalkuliert, verrechnet sich zwangsläufig, sobald der Sanitäranteil über dem üblichen Maß liegt.
Warum dein Objekt vom Richtwert abweicht
Zwei Objekte mit identischer Quadratmeterzahl können sich in der benötigten Zeit glatt verdoppeln. Verantwortlich dafür sind fünf Faktoren, die in jeder Begehung geprüft gehören: Möblierungsgrad, Bodenbelag, Raumzuschnitt, Wegezeiten im Gebäude und der vereinbarte Leistungsumfang. Keiner davon steht im Exposé, alle stehen später in deiner Nachkalkulation.
Besonders unterschätzt wird der Zuschnitt. Eine offene Fläche lässt sich in Bahnen reinigen, ein verwinkelter Altbau nicht. Jede Tür kostet Sekunden, jeder Wechsel des Belags kostet einen Gerätewechsel, jede Etage ohne Aufzug kostet Transportzeit. Und der Leistungsumfang entscheidet mit: Papierkörbe leeren, Glastüren nachwischen und Küchenzeilen reinigen sind einzeln unauffällig und summieren sich über ein Objekt zu einer vollen Stunde.
Deshalb gilt: Richtwerte sind ein Startpunkt für das Angebot, kein Versprechen an dich selbst. Wer bei der Begehung mit einer Kamera durchgeht und Belag, Türen und Sanitäranteil je Etage notiert, korrigiert den Wert vorher statt im laufenden Vertrag. Wie du das Ergebnis sauber in ein Dokument bringst, zeigt der Beitrag Leistungsverzeichnis Reinigung erstellen.

Vom Richtwert zum Preis pro Quadratmeter
Die Brücke ist eine einzige Division: Stundenverrechnungssatz geteilt durch Leistungswert ergibt den Preis je Quadratmeter und Reinigungsgang. Als kalkulatorische Untergrenze für die Unterhaltsreinigung gelten rund 25 Euro je Stunde netto, hergeleitet aus dem Tariflohn von 15,00 Euro plus rund 29 Prozent Personalzusatzkosten (Statistisches Bundesamt), Gemeinkosten und Gewinn. Den vollständigen Rechenweg findest du im Leitfaden zum Stundensatz in der Gebäudereinigung.
Ein Beispiel mit runden Zahlen: Ein Büroobjekt mit 1.000 m² Mischfläche, kalkuliert mit 250 m² je Stunde, braucht vier Stunden je Reinigungsgang. Bei 25 Euro je Stunde sind das 100 Euro pro Gang, also 0,10 Euro je Quadratmeter. Bei fünf Gängen pro Woche ergibt das gut 21 Einsätze im Monat und damit rund 2.150 Euro monatlich für dieses Objekt.
Rechenbeispiel Büroobjekt, 1.000 m²
- Leistungswert: 250 m² je Stunde inklusive Rüst- und Wegezeit
- Zeit je Gang: 1.000 ÷ 250 = 4,0 Stunden
- Kosten je Gang: 4,0 × 25,00 € = 100,00 €
- Preis je m² und Gang: 100,00 € ÷ 1.000 = 0,10 €
- Bei 5 Gängen pro Woche: rund 21,7 Gänge im Monat = ca. 2.150 € monatlich
Sinkt die tatsächliche Leistung auf 200 m² je Stunde, steigt die Zeit je Gang auf fünf Stunden. Der Preis bleibt, der Ertrag nicht: Aus einer kalkulierten Marge wird eine Nullnummer, ohne dass irgendjemand schlechter gearbeitet hätte.
Wie sich diese Werte in marktübliche Quadratmeterpreise einordnen, zeigt unsere Übersicht zu den Preisen pro m² in der Gebäudereinigung, und die Objektsicht auf Bürokunden findest du unter Büroreinigung Kosten kalkulieren.
Wie du deine echte Leistung misst
Kein Richtwert der Welt schlägt vier Wochen gemessene Realität im eigenen Objekt. Der Weg ist unspektakulär: Ist-Zeiten je Objekt erfassen, gereinigte Fläche durch tatsächlich geleistete Stunden teilen, und zwar inklusive aller Neben- und Wegezeiten. Nach einem Monat weißt du, ob deine Kalkulation zum Objekt passt oder ob du seit dem ersten Tag draufzahlst.
Drei Dinge sind dabei wichtig. Erstens: Zettel und Erinnerung reichen nicht, weil gerade die Ausreißer nie notiert werden. Zweitens: Messe nicht in der Einführungswoche, denn neue Objekte laufen anfangs immer langsamer. Drittens: Vergleiche die Werte je Etage oder Bereich, nicht nur je Objekt, sonst verschwindet der teure Sanitärtrakt im Durchschnitt. In den Betrieben, die wir begleiten, ist genau diese Auswertung je Bereich der Punkt, an dem unrentable Objekte zum ersten Mal sichtbar werden. Mehr dazu im Beitrag zur Zeiterfassung für Reinigungskräfte.
Das Objekt läuft seit acht Monaten. Und seit acht Monaten minus.
Kalkuliert hast du 250 m² je Stunde. Gebraucht werden 200, weil der Sanitärtrakt größer ist als gedacht und im Erdgeschoss ein Gerätewechsel fällig wird. Gemerkt hättest du es nach vier Wochen, gesehen hast du es beim Jahresgespräch mit dem Steuerberater.
- ✓Die Zeiterfassung läuft mobil im Objekt mit, ohne Zettel und ohne Nachtragen am Monatsende.
- ✓Ist-Stunden je Objekt stehen neben deiner Kalkulation, damit Abweichungen im laufenden Monat auffallen statt im Jahresabschluss.
- ✓Objektfotos und Reklamationen hängen am selben Objekt, sodass die Nachverhandlung mit Belegen statt Bauchgefühl läuft.
Maschine oder Handarbeit im Vergleich
Auf großen zusammenhängenden Hartbodenflächen schlägt die Maschine die Handreinigung um ein Vielfaches. Eine Scheuersaugmaschine bringt im Lager, in der Halle oder im langen Flur Leistungswerte, die mit Mopp nicht erreichbar sind. Der Haken: Der Vorteil verschwindet, sobald die Fläche zerstückelt ist. Zwischen Regalen, Tischen und Türen verbringt die Maschine mehr Zeit mit Rangieren als mit Reinigen.
Die Entscheidung folgt deshalb drei Fragen: Wie groß ist die größte zusammenhängende Fläche? Wie oft wird sie gereinigt? Und wie kommt das Gerät ins Objekt, gibt es einen Aufzug und einen Stellplatz mit Strom und Wasser? Lohnt sich eine Maschine erst ab zwei Objekten, ist die Auslastung über Touren zu planen, sonst steht sie die halbe Woche in der Halle. Wie weit Technik darüber hinaus geht, zeigt der Beitrag zu Reinigungsrobotern und Cobotik.
Die häufigsten Fehler bei Richtwerten
Beim Prüfen von Objektkalkulationen begegnen uns immer wieder dieselben fünf Muster. Keines davon ist exotisch, jedes kostet Marge:
- Rüst- und Wegezeit vergessen: Der Wert stimmt für die reine Fläche, aber nicht für die bezahlte Stunde.
- Ein Wert für das ganze Objekt: Sanitär und Verkehrsfläche in einem Durchschnitt verstecken den teuren Teil.
- Werte vom Vorgänger übernommen: Was im alten Objekt galt, gilt selten im neuen mit anderem Belag.
- Bestwert statt Normalwert: Kalkuliert wird, was die schnellste Kraft an einem guten Tag schafft.
- Nie nachgemessen: Der Richtwert bleibt zehn Jahre stehen, obwohl Fläche und Leistungsumfang längst gewachsen sind.
Der teuerste dieser Fehler ist der letzte. Ein Objekt, dessen Leistungsumfang seit Vertragsbeginn gewachsen ist, ohne dass der Preis mitgewachsen wäre, verliert jedes Jahr ein Stück Marge. Wie du solche Anpassungen sauber verhandelst, steht im Beitrag zur Preiserhöhung ohne Kundenverlust.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Quadratmeter schafft eine Reinigungskraft pro Stunde?
Das hängt stark von der Raumart ab. Für offene Büroflächen rechnen viele Betriebe mit etwa 250 bis 400 Quadratmetern je Stunde, für möblierte Einzelbüros eher mit 150 bis 250 und für Sanitärbereiche nur mit 60 bis 120. Verkehrsflächen liegen deutlich höher, mit Maschine noch einmal um ein Vielfaches darüber.
Sind Richtwerte für die Reinigungsleistung verbindlich?
Nein. Leistungswerte sind Planungsgrößen aus der Praxis, keine Norm und keine gesetzliche Vorgabe. Sie helfen bei der ersten Kalkulation und beim Vergleich von Objekten. Verbindlich ist immer das, was im Leistungsverzeichnis vereinbart wurde und was im Objekt tatsächlich gemessen wird.
Warum weicht mein Objekt vom Richtwert ab?
Die häufigsten Gründe sind Möblierungsgrad, Bodenbelag, Zuschnitt der Räume, Wegezeiten innerhalb des Gebäudes und der vereinbarte Leistungsumfang. Ein verwinkeltes Altbaubüro mit Teppich und vielen Einzelräumen kann bei gleicher Fläche leicht die doppelte Zeit brauchen wie eine offene Fläche mit Hartboden.
Wie rechne ich vom Leistungswert auf den Quadratmeterpreis?
Du teilst deinen Stundenverrechnungssatz durch die Quadratmeterleistung. Bei 25 Euro je Stunde und 250 Quadratmetern in der Stunde ergibt das 0,10 Euro je Quadratmeter und Reinigungsgang. Multipliziert mit Fläche und Anzahl der Gänge im Monat entsteht daraus der Objektpreis.
Wie messe ich die tatsächliche Leistung im Objekt?
Erfasse über mindestens vier Wochen die Ist-Zeiten je Objekt und teile die gereinigte Fläche durch die tatsächlich geleisteten Stunden. Wichtig ist, Rüst- und Wegezeiten mitzuzählen, weil sie in der Kalkulation sonst fehlen. Eine digitale Zeiterfassung liefert diese Werte ohne zusätzlichen Zettelaufwand.
Fazit: Richtwerte sind ein Startpunkt
Leistungswerte in m² je Stunde machen eine Kalkulation überhaupt erst nachvollziehbar. Sie sind aber kein Ersatz für die Begehung und erst recht nicht für die Messung. Wer je Bereich kalkuliert statt je Objekt, Rüst- und Wegezeit einrechnet und nach vier Wochen gegen die Ist-Zeiten prüft, erkennt unrentable Objekte früh genug, um nachzuverhandeln statt zu verlieren.
Reinigungsmarketing sorgt dafür, dass genug Anfragen da sind, um Objekte auch einmal ablehnen zu können. Denn die beste Kalkulation nützt wenig, wenn du jeden Auftrag nehmen musst. Wie wir dabei vorgehen, steht auf der Seite Leistungen.
Genug Anfragen, um Objekte auswählen zu können
Im kostenlosen Erstgespräch zeigen wir dir, wie du in deiner Region planbar an Objekte kommst, die zu deiner Kalkulation passen statt umgekehrt.
Mo–Fr, 09:00–18:00 Uhr · Ansprechpartner: Dusan Andric, Leitung Beratung & Vertrieb