Schulreinigung nach DIN 77400: Anforderungen und Vergabe

Im Schuljahr 2025/2026 besuchen rund 9 Millionen Schülerinnen und Schüler allgemeinbildende Schulen in Deutschland, dazu kommen etwa 2,3 Millionen an beruflichen Schulen (Destatis). Jedes dieser Gebäude wird werktags genutzt und muss gereinigt werden, bezahlt von Kommunen und Landkreisen. Der Maßstab dafür heißt DIN 77400. Wer die Norm versteht, liest Ausschreibungen anders und erkennt schneller, welches Los sich rechnet und welches nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- →Die DIN 77400:2015 legt Mindestintervalle für die Unterhaltsreinigung von Schulen und Sporthallen fest
- →Verbindlich wird die Norm erst, wenn der Schulträger sie in Ausschreibung oder Vertrag aufnimmt
- →Schulträger sind öffentliche Auftraggeber: Vergeben wird nach Vergaberecht, oft in Losen über mehrere Schulen
- →Das Zeitfenster nach Unterrichtsende und der Ganztagsbetrieb bestimmen die Personalplanung stärker als die Fläche
- →Ferien, Grundreinigungen und Qualitätsmessung gehören als eigene Positionen ins Angebot
Was die DIN 77400 regelt
Die DIN 77400 heißt vollständig „Reinigungsdienstleistungen, Schulgebäude, Anforderungen an die Reinigung“. Sie beschreibt die fachgerechte Unterhaltsreinigung von allgemeinbildenden und beruflichen Schulen samt zugehöriger Sporthallen. Aktuell gilt die Ausgabe von September 2015, die die erste Fassung von 2003 vollständig überarbeitet hat. Erarbeitet wurde sie unter Beteiligung des Bundesinnungsverbands der Gebäudedienstleister (BIV).
Das Herzstück ist eine Leistungsbeschreibung im normativen Anhang. Sie listet Raumarten und Oberflächen auf und ordnet jeder ein Mindestintervall zu: täglich, wöchentlich oder monatlich. Besonderes Augenmerk liegt auf häufig berührten Flächen wie Türklinken, Handläufen und Lichtschaltern. Grundreinigung, Glasreinigung und Sonderreinigungen werden abgegrenzt, stehen aber nicht im Mittelpunkt.
Wichtig ist das Wort „mindestens“. Die Norm beschreibt eine Untergrenze, keinen Idealzustand. Sie empfiehlt ausdrücklich, die Intervalle an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen und bei Bedarf zu erhöhen. Eine Grundschule mit Ganztag und Mensa braucht mehr als ein Gymnasium, dessen Oberstufe mittags das Haus verlässt.
Ist die Norm für Schulen Pflicht?
Nein, zumindest nicht automatisch. Eine DIN-Norm ist eine anerkannte Regel der Technik, aber kein Gesetz. Verbindlich wird sie erst, wenn der Schulträger sie in der Ausschreibung oder im Vertrag zur Grundlage macht. Genau das passiert in der Praxis immer häufiger, gerade seit Hygiene in Schulen öffentlich stärker beachtet wird.
Unabhängig von der Norm gilt das Infektionsschutzgesetz. Schulen sind Gemeinschaftseinrichtungen und müssen nach § 36 IfSG einen Hygieneplan führen, in dem auch Reinigung und Desinfektion geregelt sind. Viele Bundesländer stellen dafür Rahmenhygienepläne bereit, die sich wiederum an der DIN 77400 orientieren. Für euch heißt das: Selbst wenn eine Ausschreibung die Norm nicht nennt, wird eure Leistung im Streitfall häufig an ihr gemessen.
Hier liegt übrigens eine echte Chance im Vertrieb. Viele Leistungsverzeichnisse liegen aus Budgetgründen unter den Intervallen der Norm. Wer das sachlich aufzeigt, ohne belehrend zu wirken, positioniert sich als Fachbetrieb und nicht als austauschbarer Anbieter. Nicht jeder Schulträger kann mehr zahlen. Aber jeder möchte wissen, wo seine Schule steht.
Welche Räume wie oft gereinigt werden
Die Norm unterscheidet nach Nutzung und Hygienerisiko. Täglich vorgesehen sind vor allem Sanitärräume, Küchen und Speiseräume, Duschen und Umkleiden, die Verkehrsflächen im Erdgeschoss und die Böden von Sporthallen. Das sind die Bereiche, in denen Schmutz und Keime am schnellsten zunehmen und in denen Beschwerden von Eltern zuerst ankommen.
Fachräume, Verwaltung, Lehrerzimmer und Verkehrsflächen in den Obergeschossen sowie Türflächen und Schalter haben längere Mindestintervalle. Lager, Kopierräume, Aula oder Tribünen kommen mit monatlichen Durchgängen aus. Wie oft Unterrichtsräume selbst gereinigt werden, legt das Leistungsverzeichnis des Schulträgers fest, und hier liegen in der Praxis die größten Unterschiede. Lest die Intervalle deshalb Zeile für Zeile, bevor ihr kalkuliert.
Neben der Unterhaltsreinigung fallen in Schulen regelmäßig an: Grundreinigung der Böden in den Sommerferien, Glasreinigung ein- bis zweimal im Jahr, Sonderreinigungen nach Veranstaltungen und bei Infektionslagen. Wer diese Leistungen gleich mit anbietet, wird für den Schulträger zum einzigen Ansprechpartner. Mehr zur Glasreinigung als Zusatzgeschäft steht in unserem Beitrag Glasreinigung anbieten.

Qualität messen statt diskutieren
Die DIN 77400 verlangt, dass die Reinigungsqualität überwacht wird. Das passende Werkzeug dafür ist ein Qualitätsmesssystem nach DIN EN 13549, die Grundanforderungen und Empfehlungen für solche Systeme in Reinigungsdienstleistungen beschreibt. Kern ist eine Stichprobenkontrolle mit festen Kriterien, deren Ergebnis dokumentiert und mit dem Auftraggeber besprochen wird.
Warum ist das so wichtig? Weil Schulreinigung ein Feld mit vielen Beteiligten ist. Hausmeister, Schulleitung, Lehrkräfte, Eltern und das Gebäudemanagement der Kommune haben jeweils ihre eigene Vorstellung von sauber. Ohne gemeinsamen Maßstab wird jede Beschwerde zur Meinungsfrage. Mit dokumentierten Kontrollen dagegen wird aus einem Anruf der Schulleitung ein sachliches Gespräch über einen konkreten Raum und ein konkretes Datum.
In den Betrieben, die wir begleiten, sind es meist nicht die großen Mängel, die einen Schulvertrag gefährden, sondern viele kleine, nicht belegte Diskussionen. Wie du ein Kontrollsystem praktisch aufbaust, zeigt unser Leitfaden zur Qualitätssicherung in der Gebäudereinigung.
Die Schulleitung beschwert sich. Du kannst nicht beweisen, dass gereinigt wurde.
Montag, 7:45 Uhr. Eine E-Mail vom Gebäudemanagement der Stadt: Die Toiletten im zweiten Stock seien am Freitag nicht gereinigt worden, die Eltern hätten sich beschwert. Deine Kraft war da, das weißt du. Aber belegen kannst du es nicht, und bei der nächsten Vergabe steht genau diese Beschwerde in der Bewertung. Schulverträge gehen selten wegen eines großen Fehlers verloren, sondern wegen vieler kleiner, die niemand widerlegen konnte.
- ✓Einsätze werden mit Objekt, Uhrzeit und Person erfasst, Fotos hängen direkt am Raum.
- ✓Schichten für mehrere Schulen planst du zentral, auch wenn Ferien und Ganztag den Takt verschieben.
- ✓Beschwerden, Kontrollen und Rückmeldungen laufen in einer Inbox zusammen, statt in fünf Postfächern.
Wie Schulträger Reinigung vergeben
Schulträger sind meist Städte, Gemeinden oder Landkreise und damit öffentliche Auftraggeber. Sie vergeben Reinigungsleistungen nach Vergaberecht. Unterhalb der EU-Schwellenwerte gelten nationale Regeln wie die Unterschwellenvergabeordnung in der jeweiligen Landesfassung. Oberhalb, für Liefer- und Dienstleistungen kommunaler Auftraggeber derzeit 216.000 Euro netto, wird europaweit ausgeschrieben. Die Details haben wir im Leitfaden zu öffentlichen Aufträgen für Reinigungsfirmen zusammengefasst.
Typisch für Schulen ist die Bildung von Losen. Ein Landkreis fasst etwa alle Gymnasien oder alle Schulen einer Region zusammen und vergibt sie in mehreren Paketen. Das ist für kleinere Betriebe eine Chance: Ein einzelnes Los mit zwei oder drei Schulen ist gut zu stemmen, während ein Gesamtauftrag über zwanzig Standorte für viele nicht realistisch wäre. Achtet auf Eignungskriterien wie Mindestumsatz und Referenzen. Eine Präqualifikation spart hier viel Papier.
Beim Zuschlag zählt nicht nur der Preis. Viele Schulträger werten inzwischen ein Qualitätskonzept, den Personaleinsatz und die Objektleitung mit. Außerdem prüfen sie, ob ein Angebot ungewöhnlich niedrig ist. Wer mit unrealistischen Leistungswerten rechnet, riskiert nicht nur Verluste, sondern auch den Ausschluss. Wie Vergaben grundsätzlich ablaufen, steht im Beitrag zur Ausschreibung in der Gebäudereinigung.
Kalkulation für ein Schulobjekt
Die Kalkulation beginnt beim Leistungsverzeichnis, nicht bei der Fläche. Jede Raumart bekommt einen Leistungswert in Quadratmetern pro Stunde, multipliziert mit dem Intervall aus dem Verzeichnis. Klassenräume mit Stühlen auf den Tischen lassen sich zügig reinigen, Sanitärräume und Umkleiden deutlich langsamer. Wer mit einem Einheitswert über das ganze Gebäude rechnet, liegt fast immer daneben. Orientierung geben unsere Richtwerte zur Reinigungsleistung.
Beim Lohn gilt: Der Tariflohn im Gebäudereinigerhandwerk liegt in Lohngruppe 1 im Jahr 2026 bei 15,00 Euro je Stunde (BIV), der gesetzliche Mindestlohn bei 13,90 Euro. Die beiden nicht zu verwechseln, ist in öffentlichen Aufträgen besonders wichtig, weil Tariftreue hier oft abgefragt wird. Hinzu kommen Personalzusatzkosten von rund 29 Prozent (Destatis). Wie du daraus einen belastbaren Satz baust, zeigt der Leitfaden zum Stundensatz in der Gebäudereinigung.
Drei Schulbesonderheiten gehören gesondert in die Rechnung. Erstens die Ferien: In rund zwölf Wochen im Jahr fällt die Unterhaltsreinigung weg oder wird reduziert, während Grundreinigungen anstehen. Klärt, ob ihr monatlich pauschal oder nach tatsächlichem Aufwand abrechnet. Zweitens das Zeitfenster: Gereinigt wird nach Unterrichtsende, mit Ganztag oft erst ab 16 Uhr, was viele kurze Teilzeitschichten bedeutet. Drittens Lohnsteigerungen über die Vertragslaufzeit. Ohne Lohngleitklausel frisst der nächste Tarifabschluss die Marge.

Der Einstieg in die Schulreinigung
Der typische Einstieg ist ein kleines Los oder eine einzelne Schule in freier Trägerschaft. Privatschulen und Schulen kirchlicher Träger vergeben oft ohne förmliches Verfahren und achten trotzdem auf die DIN 77400. Dort sammelt ihr die Referenz, die ihr für öffentliche Lose braucht. Parallel lohnt es sich, die Vergabeplattformen eurer Region im Blick zu behalten, denn Schulreinigungen werden oft in einem festen Rhythmus neu ausgeschrieben.
Für die Personalseite gilt: Schulen brauchen viele Kräfte für kurze Nachmittags- und Abendschichten. Das passt gut zu Menschen, die vormittags anderweitig gebunden sind. Eine gute Objektleitung, die mehrere Schulen koordiniert und bei der Schulleitung bekannt ist, ist oft wichtiger als ein weiteres Gerät. Wie diese Rolle aussieht, beschreibt unser Beitrag zum Objektleiter in der Gebäudereinigung.
Und wer neben öffentlichen Losen auch private Bildungsträger gewinnen will, braucht Sichtbarkeit. Eine eigene Seite zur Schulreinigung mit Bezug auf die DIN 77400, Ablauf, Qualitätsmessung und Ansprechpartner wirkt auf Schulleitungen deutlich professioneller als eine allgemeine Leistungsliste. Wie das für deinen Betrieb aussehen kann, zeigen unsere Leistungen für Reinigungsbetriebe.
Häufig gestellte Fragen
Was regelt die DIN 77400?
Die DIN 77400 beschreibt die fachgerechte Unterhaltsreinigung von Schulgebäuden, einschließlich zugehöriger Sporthallen. Sie legt fest, welche Räume und Oberflächen mindestens wie oft zu reinigen sind, und enthält dafür eine Leistungsbeschreibung als normativen Anhang. Aktuell ist die Ausgabe von September 2015, die die Fassung von 2003 ersetzt hat.
Ist die DIN 77400 verpflichtend?
Nein, eine DIN-Norm ist zunächst eine Empfehlung. Verbindlich wird sie, wenn ein Schulträger sie in Ausschreibung oder Vertrag zur Grundlage macht. Unabhängig davon müssen Schulen nach § 36 Infektionsschutzgesetz einen Hygieneplan führen, und die Norm ist ein anerkannter Maßstab dafür, was als fachgerechte Reinigung gilt.
Welche Räume werden laut DIN 77400 täglich gereinigt?
Täglich vorgesehen sind nach der Leistungsbeschreibung vor allem stark genutzte und hygienisch sensible Bereiche wie Sanitärräume, Küchen und Speiseräume, Duschen und Umkleiden, Verkehrsflächen im Erdgeschoss sowie Sporthallenböden. Andere Räume haben wöchentliche oder monatliche Mindestintervalle. Die Norm empfiehlt, die Intervalle vor Ort zu prüfen und bei Bedarf zu erhöhen.
Wie werden Schulreinigungen vergeben?
Schulträger sind meist Kommunen oder Landkreise und damit öffentliche Auftraggeber. Sie vergeben nach Vergaberecht: unterhalb der EU-Schwellenwerte nach nationalen Regeln, oberhalb europaweit. Häufig werden mehrere Schulen in Losen zusammengefasst. Gewertet werden neben dem Preis oft Qualitätskonzept, Personaleinsatz und Referenzen.
Worauf sollten Reinigungsfirmen beim Angebot achten?
Prüfe, ob das Leistungsverzeichnis die Intervalle der DIN 77400 abbildet oder darunter liegt, und kalkuliere mit realistischen Leistungswerten statt mit Wunschzahlen. Rechne Ferien und Grundreinigungen gesondert, plane feste Zeitfenster nach Unterrichtsende und beschreibe, wie du Qualität nach DIN EN 13549 misst und dokumentierst.
Fazit: Norm verstehen, Lose gewinnen
Schulreinigung ist kein Glamour-Segment, aber ein verlässliches. Die Gebäude verschwinden nicht, die Schülerzahlen steigen, und Verträge laufen meist über mehrere Jahre. Wer die DIN 77400 kennt, liest Leistungsverzeichnisse kritischer, kalkuliert realistischer und kann im Gespräch mit dem Schulträger fachlich argumentieren. Genau das unterscheidet einen Fachbetrieb vom billigsten Bieter.
Reinigungsmarketing unterstützt Reinigungsunternehmen dabei, neben öffentlichen Losen auch private Auftraggeber planbar zu gewinnen: Privatschulen, Bildungsträger und Gewerbekunden in der eigenen Region, exklusiv pro Gebiet. So hängt dein Umsatz nicht an einer einzigen Vergabe.
Mehr Aufträge als nur die nächste Ausschreibung
Im kostenlosen Erstgespräch zeigen wir dir, wie du Bildungsträger und Gewerbekunden in deiner Region direkt erreichst und dich unabhängiger von öffentlichen Vergaben machst.
Mo–Fr, 09:00–18:00 Uhr · Ansprechpartner: Dusan Andric, Leitung Beratung & Vertrieb