Glasreinigung als lukrative Zusatzleistung

Seit dem 1. Januar 2026 liegt der Tariflohn in der Glas- und Fassadenreinigung bei 18,40 Euro je Stunde, in der Innen- und Unterhaltsreinigung bei 15,00 Euro (BIV). Auf den ersten Blick klingt das nach einem Kostenproblem. Tatsächlich ist es das Gegenteil: Der Tarif bildet ab, dass Auftraggeber für Glasarbeiten ganz andere Preise akzeptieren. Dieser Leitfaden zeigt dir, wie du Glasreinigung als Zusatzleistung aufbaust, kalkulierst und im Bestand verkaufst.
Das Wichtigste in Kürze
- →Glasreinigung fällt unter Lohngruppe 6 mit 18,40 €/h, die Unterhaltsreinigung unter Lohngruppe 1 mit 15,00 €/h
- →Abgerechnet wird nach Glasfläche, nicht nach Bodenfläche, marktüblich sind rund 1,50 bis 4,00 € je Quadratmeter
- →Der Einstieg kostet wenig: Einwascher, Abzieher und Teleskopstange reichen für Innenflächen und das Erdgeschoss
- →Nach TRBS 2121 Teil 2 ist die Leiter als Arbeitsplatz nur bis zwei Meter Standhöhe zulässig, darüber nur zeitlich begrenzt
- →Der schnellste Umsatz steckt im Bestand: zwei bis vier Glasdurchgänge im Jahr bei Kunden, die du ohnehin betreust
Lohnt sich Glasreinigung als Zusatz?
Für die meisten Betriebe ist die Glasreinigung die naheliegendste Erweiterung überhaupt, weil der Bedarf im vorhandenen Objekt längst existiert. Der Kunde hat Fenster, du bist ohnehin regelmäßig vor Ort, und der Auftrag wiederholt sich zwei bis viermal im Jahr. Es braucht keine neue Akquise, keinen neuen Standort und keine neue Zielgruppe. Es braucht eine Position mehr im Angebot.
Dazu kommt ein Effekt, den viele unterschätzen: weniger Wettbewerb. Um den Treppenhauswisch bewerben sich in jeder Stadt dutzende Anbieter, um die Fensterfront im ersten Obergeschoss deutlich weniger. Weniger Vergleichsangebote heißen weniger Preisdruck. Deshalb ist die Glasreinigung für viele Betriebe der erste realistische Schritt aus dem Preiskampf heraus, lange bevor Industrie- oder Sonderreinigung infrage kommt. Welche Reinigungsarten sich sonst noch rechnen, ordnet der Margenvergleich der Reinigungsarten ein.
Was gehört alles zur Glasreinigung?
Glasreinigung ist mehr als Fensterputzen. Zum Leistungsbild gehören Fensterflügel innen und außen, Rahmen und Falze, Glastüren und Windfänge, Trennwände im Büro, Wintergärten und Dachflächenfenster sowie Glasfassaden. Jede dieser Flächen hat einen eigenen Aufwand, und genau daran entscheidet sich der Preis. Rahmen und Falze kosten regelmäßig mehr Zeit als die Scheibe selbst.
Drei Merkmale treiben den Aufwand nach oben: Höhe (ab wann reicht die Stange nicht mehr?), Teilung (Sprossenfenster vervielfachen die Kanten) und Erreichbarkeit (Beete, Vordächer, parkende Autos). Wer diese drei Punkte bei der Besichtigung notiert, kalkuliert verlässlich. Wer sie schätzt, kalkuliert die erste Fassade einmal und danach nie wieder.

Was bleibt pro Stunde wirklich übrig?
Die Rechnung beginnt bei den Vollkosten. Lohngruppe 6 liegt 2026 bei 18,40 Euro je Stunde, dazu kommen Personalzusatzkosten von rund 29 Prozent (Destatis). Das ergibt rund 23,74 Euro je produktiver Stunde, gegenüber 19,35 Euro in der Unterhaltsreinigung. Diese 4,39 Euro Unterschied sind deine Preisuntergrenze, nicht dein Angebotspreis. Gemeinkosten, Ausfallzeiten und Gewinn kommen obendrauf.
Auf der Erlösseite gilt eine andere Bezugsgröße: Glasreinigung wird nach Glasfläche abgerechnet, nicht nach Bodenfläche. Als Marktorientierung liegen die Preise bei rund 1,50 bis 4,00 Euro je Quadratmeter Glasfläche. Das sind Erfahrungswerte aus dem Markt, keine amtliche Statistik. Ein Beispiel: 180 Quadratmeter Glasfläche in einem Bürogebäude, angesetzt mit 2,50 Euro, ergeben 450 Euro je Durchgang. Bei vier Durchgängen im Jahr sind das 1.800 Euro Zusatzumsatz aus einem Objekt, das du ohnehin betreust. Die vollständige Preisübersicht steht im Beitrag zu den Gebäudereinigung Preisen pro Quadratmeter, die saubere Herleitung im Leitfaden zum Stundensatz in der Gebäudereinigung.
Welche Ausrüstung brauchst du wirklich?
Deutlich weniger, als die Kataloge nahelegen. Für Innenflächen, Glastüren und das Erdgeschoss reichen Einwascher, Abzieher in zwei bis drei Breiten, Mikrofasertücher, ein Eimer mit Sieb und ein Gürtelhalter. Diese Grundausstattung liegt im niedrigen dreistelligen Bereich und ist nach wenigen Aufträgen bezahlt. Alles Weitere kaufst du erst, wenn ein konkretes Objekt es verlangt.
Die zweite Stufe ist die Teleskopstange, die dritte eine Reinstwasseranlage: Über Filter entsalztes Wasser trocknet fleckenfrei, gearbeitet wird vom Boden aus, je nach System bis in Höhen von etwa fünfzehn Metern. Das ist nicht nur bequemer, sondern rechtlich der sicherere Weg, weil die Leiter entfällt. Erst danach kommen Höhensicherung, Gerüst oder gemietete Hubarbeitsbühne dazu. Wer die Reihenfolge einhält, wächst mit den Aufträgen statt mit dem Kontokorrentkredit.
Sicher arbeiten in der Höhe
Hier liegt das eigentliche Risiko des Geschäfts, und die Regeln sind eindeutig. Nach TRBS 2121 Teil 2 darf eine Leiter als Arbeitsplatz grundsätzlich nur bis zwei Meter Standhöhe genutzt werden. Zwischen zwei und fünf Metern sind ausschließlich zeitlich begrenzte Arbeiten zulässig, also höchstens zwei Stunden je Arbeitsschicht. Als Arbeitsplatz sind zudem Stufen statt Sprossen gefordert. Sicherere Arbeitsmittel haben immer Vorrang vor der Leiter.
Praktisch heißt das: Gefährdungsbeurteilung vor dem ersten Objekt, dokumentierte Unterweisung der Mitarbeiter, geprüfte Arbeitsmittel und im Zweifel die Teleskopstange statt der Leiter. Wer regelmäßig an Fassaden arbeitet, braucht zusätzlich persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz und eine entsprechende Qualifikation. Die Gebäudereinigung ist ein zulassungspflichtiges Handwerk, was für den Betrieb selbst gilt, ist im Beitrag zur Meisterpflicht in der Gebäudereinigung erklärt.

Glasreinigung im Bestand verkaufen
Der schnellste Umsatz liegt nicht bei neuen Kunden, sondern bei denen, die du schon betreust. Sie kennen deine Arbeit, du kennst das Objekt, und die Anfahrt ist ohnehin eingeplant. Trotzdem fragen die wenigsten Betriebe aktiv nach. Warum eigentlich? Meist, weil der passende Moment im Alltag untergeht.
Drei Anlässe funktionieren zuverlässig: die Jahresplanung im Herbst, der erste warme Frühjahrstag, an dem jede Scheibe den Winter zeigt, und jede Objektbegehung mit dem Verwalter. Formuliere die Zusatzleistung nicht als Frage, sondern als Vorschlag mit Zahl: zwei Durchgänge im Jahr, Termine im April und Oktober, Festpreis je Durchgang. Wichtig ist, dass Glasreinigung eine eigene Position im Angebot bekommt und nicht im Quadratmeterpreis der Unterhaltsreinigung verschwindet. Sonst subventionierst du die teurere Leistung mit der günstigeren. Wie du solche Positionen sauber aufbaust, zeigt der Leitfaden zum Angebot in der Gebäudereinigung.
Der Glasauftrag lag zwei Jahre im Objekt. Du hast ihn nie gestellt.
Im Mai sagt der Verwalter am Telefon, die Fenster könnten mal wieder. Du nickst, notierst es auf dem Lieferschein und fährst zum nächsten Objekt. Im September fragt er dich, warum das Angebot nie kam. Da hat ein anderer Betrieb längst zweimal gereinigt.
- ✓Jede Zusatzchance landet als Aufgabe am Objekt statt auf einem Zettel im Fahrzeug.
- ✓Angebote gehen aus der Pipeline raus und bekommen eine Nachfass-Erinnerung, statt im Postausgang zu versanden.
- ✓Glasflächen, Intervalle und Fotos hängen am Objekt, sodass der zweite Durchgang sich fast von selbst verkauft.
Preise und Intervalle festlegen
Intervalle sind der unterschätzte Hebel. Ein einzelner Durchgang ist ein Auftrag, zwei bis vier Durchgänge im Jahr sind ein kleiner Vertrag. Als Orientierung: Büros und Praxen mit Publikumsverkehr zwei- bis viermal jährlich, Ladenlokale und Gastronomie deutlich häufiger, reine Verwaltungsgebäude oft zweimal. Schreib das Intervall in den Vertrag und leg die Termine gleich mit fest, sonst verschiebt sich der zweite Durchgang so lange, bis er ausfällt.
Für die Preisstruktur haben sich drei Bausteine bewährt: ein Grundpreis je Objekt für An- und Abfahrt sowie Aufbau, der Quadratmeterpreis nach Glasfläche und Zuschläge für Sprossen, Höhe oder Sicherungsaufwand. Diese Trennung ist ehrlich und leicht zu erklären, weil der Kunde sieht, wofür er zahlt. Und sie schützt dich beim Folgeauftrag, wenn plötzlich das Vordach mitgereinigt werden soll.
Die häufigsten Fehler beim Einstieg
In den Betrieben, die wir begleiten, wiederholen sich beim Einstieg in die Glasreinigung vier Muster. Alle vier kosten Geld, keines davon ist schwer zu vermeiden.
- Mischpreis mit der Unterhaltsreinigung. Die teurere Leistung wird von der günstigeren subventioniert, und zwar genau so lange, bis der Glasanteil steigt
- Kalkulation mit Lohngruppe 1. Sobald Glasarbeiten ausgeführt werden, gilt der höhere Tarifsatz, unabhängig davon, was im Angebot steht
- Zu große Objekte am Anfang. Die dreigeschossige Fassade ist der falsche erste Auftrag. Innenflächen und Erdgeschoss bringen Routine ohne Risiko
- Aufmaß nach Gefühl. Glasfläche wird gemessen, nicht geschätzt, Rahmen und Falze werden mitgedacht
Wer diese vier Punkte vermeidet, hat nach zwei bis drei Objekten belastbare eigene Zeitwerte. Und ab da wird die Kalkulation zur Routine, weil du nicht mehr mit Marktwerten rechnest, sondern mit deinen.
Häufig gestellte Fragen
Lohnt sich Glasreinigung für kleine Reinigungsfirmen?
Für die meisten Betriebe ist die Glasreinigung die naheliegendste Erweiterung, weil der Bedarf im vorhandenen Objekt bereits existiert. Der Auftrag wiederholt sich zwei bis viermal im Jahr, die Anfahrt ist ohnehin eingeplant, und je Einsatzstunde liegt der erzielbare Preis deutlich über dem der Unterhaltsreinigung.
Was kostet Glasreinigung pro Quadratmeter?
Als Marktorientierung liegt die Glasreinigung bei rund 1,50 bis 4,00 Euro je Quadratmeter Glasfläche, abgerechnet nach Glasfläche und nicht nach Bodenfläche. Der Preis steigt mit Höhe, Sprossen, Erreichbarkeit und Sicherungsaufwand. Es handelt sich um Erfahrungswerte aus dem Markt, nicht um eine amtliche Statistik.
Welcher Tariflohn gilt für die Glasreinigung?
Für Glas- und Fassadenreinigung gilt Lohngruppe 6 des Tarifvertrags im Gebäudereiniger-Handwerk mit 18,40 Euro je Stunde seit dem 1. Januar 2026. Das sind 3,40 Euro mehr als in der Innen- und Unterhaltsreinigung mit 15,00 Euro. Der Satz gilt bundesweit einheitlich, sobald Glasarbeiten ausgeführt werden.
Welche Ausrüstung braucht man für den Einstieg?
Für die Erdgeschoss- und Innenreinigung genügen Einwascher, Abzieher in mehreren Breiten, Mikrofasertücher, Eimer und ein Gürtelhalter. Der nächste Schritt ist eine Teleskopstange, danach eine Reinstwasseranlage für Arbeiten vom Boden aus. Höhensicherung und Hubarbeitsbühne kommen erst mit den entsprechenden Objekten dazu.
Welche Sicherheitsregeln gelten bei Arbeiten in der Höhe?
Nach TRBS 2121 Teil 2 ist eine Leiter als Arbeitsplatz grundsätzlich nur bis zwei Meter Standhöhe zulässig, darüber nur für zeitlich begrenzte Arbeiten von höchstens zwei Stunden je Schicht. Als Arbeitsplatz sind Stufen statt Sprossen gefordert. Sicherere Alternativen wie Teleskopstange, Gerüst oder Hubarbeitsbühne haben Vorrang.
Fazit: Die Zusatzleistung mit dem kürzesten Weg
Glasreinigung ist für die meisten Reinigungsbetriebe die Erweiterung mit dem besten Verhältnis aus Aufwand und Ertrag. Die Kunden sind vorhanden, die Grundausstattung kostet wenig, und der höhere Tariflohn ist kein Nachteil, sondern das Signal, dass der Markt hier andere Preise trägt. Entscheidend sind drei Dinge: eigene Position im Angebot, sauberes Aufmaß und ein festes Intervall statt Einzelaufträgen.
Reinigungsmarketing sorgt dafür, dass genug Objekte da sind, in denen sich solche Zusatzleistungen überhaupt verkaufen lassen: Direktkunden aus deiner Region, exklusiv, ohne Ausschreibungskarussell. Wer die Glasreinigung nicht nur anbieten, sondern planbar auslasten will, sollte das kostenlose Erstgespräch nutzen.
Mehr Objekte, in denen Glasreinigung sich lohnt
Im kostenlosen Erstgespräch zeigen wir dir, wie du in deiner Region an Bürogebäude, Praxen und Ladenlokale kommst, bei denen Glas- und Unterhaltsreinigung zusammen vergeben werden.
Mo–Fr, 09:00–18:00 Uhr · Ansprechpartner: Dusan Andric, Leitung Beratung & Vertrieb