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Fassadenreinigung als Zusatzleistung anbieten

21. Oktober 2026Gennadios Tsachidis10 Min. Lesezeit
Fachkräfte reinigen die Fassade eines modernen Gebäudes, Symbolbild für Fassadenreinigung als Zusatzleistung
Bild: Pexels

Fassadenreinigung ist ein Zusatzgeschäft mit Eintrittshürden: Sie braucht Technik, Sicherheitswissen und eine saubere Kalkulation. Dafür bringt sie Aufträge, bei denen der Wettbewerb oft anders aussieht als in der Unterhaltsreinigung. In einem Markt, in dem laut BIV Frühjahrs-Konjunkturumfrage 2026 49 Prozent der Unternehmen 2025/2026 einen spürbaren Rückgang von Kunden oder Aufträgen verzeichnen, kann so eine Spezialleistung ein zweites Standbein werden. Dieser Ratgeber zeigt, worauf du vor dem Einstieg achten musst.

Das Wichtigste in Kürze

  • →Fassadenreinigung passt gut als Zusatzleistung für Betriebe, die Hausverwaltungen und Gewerbeobjekte betreuen.
  • →Das Verfahren richtet sich nach Untergrund und Verschmutzung, nicht nach Gewohnheit. Zu viel Druck kann Putz, Fugen und Dämmsysteme beschädigen.
  • →Arbeiten in der Höhe und Schmutzwasser sind die zwei Punkte mit dem größten Klärungsbedarf: Qualifikation, Absicherung und Entsorgung.
  • →Prüfe vor dem ersten Auftrag deine Betriebshaftpflicht und die Einstufung der Tätigkeit bei der Handwerkskammer.
  • →Kalkuliert wird über Arbeitszeit, Zugangstechnik und Nebenzeiten, nicht allein über den Quadratmeter.

Warum ist Fassadenreinigung interessant?

Fassadenreinigung ist interessant, weil sie ein Bedürfnis bedient, das Kunden selten selbst lösen können: Algen, Staub, Ruß und Graffiti sind sichtbar, die Reinigung verlangt aber Technik und Erfahrung. Hausverwaltungen und Gewerbeeigentümer haben ein klares Interesse an einem gepflegten Außenbild und vergeben solche Aufträge meist als Einzelmaßnahme.

Für dich als Reinigungsbetrieb liegt der Vorteil im Kundenstamm. Wer schon Treppenhäuser, Büros oder Außenanlagen betreut, ist beim Thema Fassade der erste Ansprechpartner. Das erleichtert die Akquise. Der Nachteil: Die Aufträge kommen unregelmäßig, und der Einsatz von Technik muss sich rechnen. Wer ohnehin eine Glasreinigung anbietet, hat oft schon einen Teil der Ausrüstung und des Zugangs.

Wie bei jeder Zusatzleistung gilt: Sie ersetzt keine laufenden Verträge, sie ergänzt sie. Eine Übersicht, welche Leistungen sich für welchen Betrieb eignen, findest du im Beitrag zu den profitabelsten Reinigungsarten.

Welche Verfahren gibt es?

Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach Untergrund, Verschmutzungsart und Zustand der Oberfläche. Es gibt kein Verfahren, das überall passt. Ein zu hoher Druck oder ein ungeeignetes Mittel kann Putz, Fugen, Anstriche oder Wärmedämmsysteme beschädigen, deshalb gilt: erst testen, dann arbeiten.

  • Niederdruck mit Wasser: Schonend für empfindliche Flächen, geeignet für leichte Verschmutzung und Algenbelag in Verbindung mit einem passenden Mittel.
  • Hochdruck und Heißwasser: Für robuste Untergründe wie Klinker oder Beton. Der Druck muss zum Material passen.
  • Dampfstrahlen: Löst Verschmutzungen ohne viel Chemie und mit geringem Wasserverbrauch.
  • Trockenstrahlen, etwa mit Trockeneis: Für Graffiti und punktuelle Verschmutzungen, wenn Wasser vermieden werden soll.
  • Bürstenreinigung: Für Glas, Metall und beschichtete Elemente, oft in Kombination mit Spezialmitteln.
Verfahren der Fassadenreinigung im Überblick
VerfahrenEignungHinweis
Niederdruck mit WasserLeichte Verschmutzung, AlgenSchonend, mit Mittel kombinierbar
Hochdruck, HeißwasserRobuste UntergründeDruck an Material anpassen
DampfstrahlenHartnäckige BelägeWenig Chemie
TrockenstrahlenGraffiti, punktuellWenn Wasser vermieden werden soll
BürstenreinigungGlas, Metall, beschichtete ElementeOft mit Spezialmitteln

Welche Methode in welchem Fall geeignet ist, entscheidet am Ende der Hersteller des Untergrunds oder ein Fachbetrieb für das jeweilige System. Bei Wärmedämmverbundsystemen, Naturstein und Holz bist du mit einer schriftlichen Freigabe des Eigentümers auf der sicheren Seite.

Zwei Arbeiter in Sicherheitsausrüstung reinigen die Fenster und die Fassade eines modernen Gebäudes am Seil
Bild: Pexels. Arbeiten in der Höhe verlangen Qualifikation und geprüfte Ausrüstung.

Wie löst du den Zugang in der Höhe?

Der Zugang ist der kritischste Punkt. Je nach Gebäude kommen Leiter, Hubarbeitsbühne, Fassadenbefahranlage, Gerüst oder Seilzugangstechnik infrage. Jede Variante hat eigene Anforderungen an Qualifikation, Ausrüstung und Absicherung. Für Arbeiten mit Seilzugangstechnik braucht dein Personal in der Regel nachgewiesene Schulungen, und für Bühnen gelten Unterweisungs und Prüfpflichten, die du bei der Berufsgenossenschaft erfragst.

Die Vorgaben dazu legen Arbeitsschutzregeln und die Berufsgenossenschaft fest. Hol dir die aktuellen Anforderungen direkt bei der zuständigen Berufsgenossenschaft, bevor du den ersten Auftrag annimmst. In den Betrieben, die wir begleiten, ist das ein häufiger Grund, warum der Einstieg am Ende doch über einen Partner erfolgt: Die Technik ist nicht das Problem, die Qualifikation und die Verantwortung schon.

  • Eigene Ausführung: Sinnvoll, wenn du Qualifikation, Technik und Versicherung aufgebaut hast.
  • Miete von Bühne oder Gerüst: Die Kosten gehören als eigene Position ins Angebot, getrennt von den Arbeitsstunden.
  • Zusammenarbeit mit einem Fachbetrieb für den Zugang: Du bleibst Ansprechpartner für den Kunden, klärst aber vertraglich, wer wofür haftet.

Plane außerdem die Witterung ein. Frost, starker Wind und Regen schränken die Arbeit ein oder machen sie unmöglich. Lege im Angebot fest, was bei Ausfall passiert: neuer Termin, Aufwandspauschale oder Vorhaltekosten für die Technik.

Was musst du bei Schmutzwasser klären?

Beim Reinigen fallen Schmutzwasser, Reinigerreste und abgelöste Beläge an. Sie sollten nicht ungeprüft in Regenwasserkanal, Boden oder Gewässer gelangen. Welche Regeln vor Ort gelten, unterscheidet sich je nach Gemeinde und Objekt. Kläre das vor dem Angebot mit der zuständigen Behörde oder dem Entwässerungsbetrieb.

Praktisch heißt das: Du planst, wie Wasser aufgefangen, abgeleitet oder aufgenommen wird, und sprichst das mit dem Kunden ab. Bei sensiblen Flächen wie Gehwegen, Grünanlagen und Gewässernähe sollte der Plan schriftlich vorliegen. Weniger Chemie und gezielter Einsatz helfen, weil weniger belastetes Wasser entsteht. Dieses Thema gehört in die Leistungsbeschreibung und nicht in eine Fußnote.

Wie sicherst du Haftung und Versicherung ab?

Fassadenarbeiten bergen mehr Risiko als Innenreinigung: Schäden an Putz, Fenstern, Autos oder Passanten sind möglich. Prüfe deshalb vor dem Einstieg, ob deine Betriebshaftpflicht diese Tätigkeit abdeckt, welche Deckungssummen gelten und ob Schäden durch Arbeiten in der Höhe oder durch Wasser eingeschlossen sind. Mehr dazu im Ratgeber zur Haftpflichtversicherung für Reinigungsfirmen und im Überblick Versicherungen für Reinigungsfirmen.

Ebenso wichtig ist die Frage, ob die Tätigkeit zu deinem eingetragenen Gewerbe gehört. Welche Arbeiten dem Gebäudereiniger-Handwerk zugeordnet werden und was das für deinen Betrieb bedeutet, klärst du mit deiner Handwerkskammer. Hintergründe liefert der Beitrag zur Meisterpflicht in der Gebäudereinigung.

Und der Lohn? Der Branchenmindestlohn für Fachkräfte (Lohngruppe 6) liegt 2026 bei 18,40 Euro je Stunde, in Lohngruppe 1 bei 15,00 Euro, der gesetzliche Mindestlohn bei 13,90 Euro. Welche Einstufung für deine Mitarbeiter bei Fassadenarbeiten zutrifft, hängt von Qualifikation und Tätigkeit ab. Kläre das im Zweifel mit dem Arbeitgeberverband oder einem Berater, bevor du kalkulierst. Die Lohnbasis erklärt der Beitrag zum Tariflohn 2026.

Wie kalkulierst du Fassadenreinigung?

Die Kalkulation besteht aus vier Blöcken: Arbeitszeit, Zugangstechnik, Verbrauchsmaterial samt Entsorgung und Zuschläge für Gemeinkosten und Gewinn. Die Arbeitszeit rechnest du mit dem Verrechnungssatz deines Betriebs, der Personalzusatzkosten enthält (als Standardwert rechnen wir mit etwa 29 Prozent; zur Einordnung siehe Destatis, dein tatsächlicher Satz kann abweichen). Wie du den Satz baust, zeigt der Ratgeber zum Stundensatz.

Ein Preis je Quadratmeter wirkt einfach, täuscht aber. Zwei Fassaden gleicher Größe können sich im Aufwand stark unterscheiden: Gliederung, Vorsprünge, Fenster, Zugänglichkeit und Verschmutzungsgrad bestimmen die Zeit. Rechne deshalb pro Objekt und leite den Quadratmeterpreis erst am Ende ab. Pauschalpreise aus dem Netz helfen dir deshalb nur als grobe Orientierung.

  • Arbeitszeit: Aufbau, Reinigung, Nachspülen, Abbau, Wegezeiten.
  • Zugang: Miete, Transport, Auf und Abbau, Genehmigungen oder Absperrungen.
  • Material: Reinigungsmittel, Schutzabdeckung, Wasseraufnahme, Entsorgung.
  • Zuschläge: Gemeinkosten, Wagnis, Gewinn. Für Wetterrisiko planst du Puffer ein.

Nach dem Auftrag vergleichst du Soll und Ist. Gerade bei Fassaden sind die ersten Aufträge Lernaufträge: Ohne Nachkalkulation wiederholst du die Fehler. Wie das geht, steht im Beitrag zum Objektcontrolling.

Wie läuft Besichtigung bis Abnahme ab?

Ein fester Ablauf macht aus einem Risikoauftrag einen planbaren. Er beginnt mit der Besichtigung und endet mit dem Abnahmeprotokoll.

  1. Besichtigung: Untergrund, Verschmutzung, Zugang, Wasserabfluss und Umfeld prüfen, Fotos machen.
  2. Probefläche: Ein kleiner, unauffälliger Bereich zeigt Wirkung und Verträglichkeit.
  3. Angebot: Leistung, Verfahren, Zugangstechnik, Schmutzwasser, Termin, Preis und Ausschlüsse.
  4. Vorbereitung: Fenster und empfindliche Elemente abdecken, Bereiche absperren, Anwohner informieren.
  5. Ausführung: Von oben nach unten arbeiten, zwischendurch kontrollieren.
  6. Abnahme: Gemeinsamer Rundgang, Protokoll mit Fotos, Hinweise zur Pflege.
Zwei Arbeiter reinigen eine moderne Glasfassade mit einer Arbeitsplattform
Bild: Pexels. Ein klar definierter Ablauf macht aus dem Einzelauftrag ein planbares Projekt.

Das Angebot sollte offen beschreiben, was die Reinigung leisten kann und was nicht. Tiefe Verfärbungen, Rostfahnen oder Steinschäden lassen sich nicht immer vollständig beheben. Mehr zur Gestaltung eines Angebots findest du im Ratgeber zu Angeboten in der Gebäudereinigung.

Wie gewinnst du Fassadenaufträge?

Beginne bei Bestandskunden. Hausverwaltungen kennen den Zustand ihrer Objekte und haben meist eine Liste mit Maßnahmen, bei denen die Fassade eine Rolle spielt. Sprich das Thema beim nächsten Objektrundgang an und biete eine Besichtigung an. Für neue Kunden eignen sich Anlässe wie Verkauf, Vermietung, Jubiläum oder Umbau.

Zeige Ergebnisse. Vorher und Nachher Fotos einer sauberen Fläche überzeugen mehr als Beschreibungen. Hole dafür die Zustimmung des Eigentümers ein, und zeige Mitarbeiter nur mit deren Einwilligung. Veröffentliche die Beispiele auf deiner Website und im Google Unternehmensprofil. Wie das Profil funktioniert, steht im Ratgeber zum Google Unternehmensprofil, wie du Gewerbekunden erreichst, im Beitrag zu Gewerbekunden gewinnen.

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Die Besichtigung war gut, und dann hast du nie wieder etwas vom Auftrag gehört.

Donnerstag, 11:20 Uhr: Du stehst mit dem Hausverwalter vor der Klinkerfassade, machst Fotos, besprichst Zugang und Termin. Zurück im Büro geht die nächste Anfrage vor, das Angebot rutscht auf nächste Woche, und die Notizen liegen im Auto. Als du nachfasst, hat ein anderer Betrieb schon zugesagt.

  • ✓Objekt, Fotos, Besichtigungsnotizen und Ansprechpartner liegen an einer Stelle in der Auftrags-Pipeline.
  • ✓Erinnerungen zum Nachfassen sorgen dafür, dass kein Angebot nach der Besichtigung versandet.
  • ✓Aus Soll und Ist je Objekt entsteht die Basis für die nächste Fassadenkalkulation.
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Nach dem Auftrag kannst du direkt um eine ehrliche Bewertung bitten. Eine Gegenleistung dafür solltest du nie anbieten, das verstößt gegen die Richtlinien von Google. Wie du Bewertungen sauber einsammelst, steht im Beitrag zu Google Bewertungen sammeln.

Wann solltest du lieber verzichten?

  • Du hast weder Qualifikation noch Partner für den Zugang in der Höhe.
  • Deine Versicherung deckt die Tätigkeit nicht oder nur mit niedriger Summe.
  • Der Untergrund ist unklar, der Eigentümer will aber keine Probefläche.
  • Die Entsorgung des Schmutzwassers ist nicht geklärt.
  • Der Kunde verlangt einen Preis, der Zugang und Nebenzeiten nicht abdeckt.

Ein Nein zum falschen Auftrag schützt Marge und Ruf. Wer klug wählt, nimmt weniger Aufträge an, die dafür sauber laufen, und bekommt Empfehlungen statt Reklamationen.

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich eine Genehmigung für Fassadenreinigung?

Das hängt vom Objekt und vom Ort ab. Zu klären sind meist Abwasser, Absperrung des öffentlichen Raums und gegebenenfalls Auflagen bei Denkmalschutz. Frage die zuständige Gemeinde oder den Entwässerungsbetrieb rechtzeitig, bevor du den Auftrag verbindlich zusagst. Ein Anruf vorab ist günstiger als eine Unterbrechung der Arbeit.

Welche Versicherung ist bei Fassadenarbeiten wichtig?

Entscheidend ist deine Betriebshaftpflicht. Prüfe mit deinem Versicherer, ob Arbeiten in der Höhe und Schäden durch Wasser, Druck oder Chemie eingeschlossen sind und ob die Deckungssumme zum Objektwert passt. Lass dir die Antwort schriftlich geben. So bist du bei einem Schaden nicht auf Vermutungen angewiesen.

Wie kalkuliere ich Fassadenreinigung richtig?

Rechne über Arbeitszeit, Zugangstechnik, Material mit Entsorgung und Zuschläge. Den Quadratmeterpreis leitest du erst am Ende ab. Vergleiche nach dem Auftrag Soll und Ist, damit die Annahmen für den nächsten Auftrag genauer werden. Das macht dein Angebot auch für den Kunden nachvollziehbar.

Worauf sollte man bei Verfahren und Untergrund achten?

Das Verfahren muss zum Untergrund passen. Putz, Klinker, Naturstein, Holz und Dämmsysteme vertragen unterschiedlichen Druck und unterschiedliche Mittel. Teste immer an einer unauffälligen Stelle und lass dir bei empfindlichen Systemen die Freigabe des Eigentümers geben. Das schützt dich vor Schäden und vor Streit bei der Abnahme.

Wie finde ich Kunden für Fassadenreinigung?

Am einfachsten über Bestandskunden wie Hausverwaltungen. Sprich beim Objektrundgang das Thema an und biete eine Besichtigung an. Vorher und Nachher Fotos, mit Zustimmung des Eigentümers, helfen bei der Akquise über Website und Google Unternehmensprofil. So kommt aus einem ersten Gespräch schneller ein konkretes Angebot.

Fazit

Fassadenreinigung ist eine Zusatzleistung für Betriebe, die Technik, Sicherheit und Kalkulation ernst nehmen. Sie lohnt sich, wenn Qualifikation, Versicherung und Entsorgung geklärt sind und du jedes Objekt über Besichtigung, Probefläche und Abnahme führst.

Wenn du die Leistung sichtbar machen und gezielt Hausverwaltungen und Gewerbekunden ansprechen willst, unterstützen wir dich als Marketingagentur für Reinigungsbetriebe. Unsere Angebote findest du unter Leistungen.

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