Reinigungsfirma verkaufen und die Nachfolge regeln

In den Nachfolgeberatungen der Industrie- und Handelskammern stehen rund 9.600 abgabewillige Unternehmen nur etwa 4.000 Interessenten gegenüber, und 72 Prozent der Übergebenden hören aus Altersgründen auf (DIHK-Report Unternehmensnachfolge 2025). Für Reinigungsunternehmer heißt das: Der Käufermarkt ist knapp, und der Preis entscheidet sich lange vor dem ersten Gespräch. Dieser Leitfaden zeigt, was dein Betrieb wert ist, wie der Verkauf abläuft und was du vorher aufräumen solltest.
Das Wichtigste in Kürze
- →Bewertet wird die künftige Ertragskraft, nicht der Umsatz: Für Handwerksbetriebe ist das Ertragswertverfahren nach dem AWH-Standard des ZDH der übliche Maßstab
- →Wiederkehrende Unterhaltsreinigung mit schriftlichen Verträgen ist der stärkste Werttreiber, Einmaljobs zählen fast nichts
- →Beim Betriebsübergang gehen alle Arbeitsverhältnisse nach § 613a BGB automatisch mit über, samt Informationspflicht und Widerspruchsrecht
- →Ab 55 Jahren gibt es einmalig 45.000 € Freibetrag nach § 16 Abs. 4 EStG, der ab 136.000 € Veräußerungsgewinn abschmilzt und ab 181.000 € entfällt
- →Der größte Preisabschlag entsteht durch Inhaberabhängigkeit: Was nur im Kopf des Chefs existiert, kann der Käufer nicht kaufen
Was ist eine Reinigungsfirma wert?
Der Wert einer Reinigungsfirma bemisst sich an ihrer künftigen Ertragskraft, nicht am Umsatz und schon gar nicht am Fuhrpark. Für kleine und mittlere Handwerksbetriebe hat sich das Ertragswertverfahren nach dem AWH-Standard etabliert, den der Zentralverband des Deutschen Handwerks gemeinsam mit wertermittelnden Betriebsberatern entwickelt hat. Er berücksichtigt ausdrücklich, was im Handwerk den Ausschlag gibt: die Abhängigkeit des Ergebnisses von der Person des Inhabers.
Praktisch läuft das so: Der nachhaltig erzielbare Gewinn wird bereinigt, etwa um einen marktüblichen Unternehmerlohn und um einmalige Sondereffekte, und anschließend mit einem Zinssatz kapitalisiert, der das Risiko des Betriebs abbildet. Je stärker ein Betrieb von einer Person abhängt, desto höher fällt dieser Risikozuschlag aus und desto niedriger der Wert. Genau deshalb sind zwei Betriebe mit identischem Umsatz oft völlig unterschiedlich viel wert.
Für die Gebäudereinigung kommt ein Sonderfaktor dazu: die Vertragsqualität. Ein Betrieb mit 30 Unterhaltsreinigungsverträgen, sauberen Laufzeiten und Preisanpassungsklauseln verkauft planbaren Umsatz. Ein Betrieb mit 300 Einmalaufträgen im Jahr verkauft im Wesentlichen sich selbst. Wie belastbare Verträge aussehen, steht im Beitrag Rahmenvertrag Gebäudereinigung richtig aufsetzen.
Der Verkaufsprozess in sechs Schritten
Ein Verkauf dauert in der Regel ein bis drei Jahre, und der größte Teil davon fällt vor dem ersten Käufergespräch an. Wer erst mit dem Aufräumen beginnt, wenn ein Interessent nach Unterlagen fragt, verliert Zeit und Verhandlungsposition. Der Ablauf folgt fast immer denselben sechs Etappen.
- Vorbereitung: Zahlen der letzten drei Jahre, Objektliste, Verträge, Personalübersicht und Kalkulation zusammenstellen
- Bewertung: Ertragswert ermitteln lassen, idealerweise über die Betriebsberatung der Handwerkskammer
- Käufersuche: intern (Familie, Führungskraft) oder extern über Nachfolgebörsen und die Kammernetzwerke
- Gespräche und Absichtserklärung: Eckpunkte, Preisrahmen und Zeitplan schriftlich festhalten
- Prüfung durch den Käufer: Einsicht in Verträge, Zahlen, Personal und offene Risiken
- Vertrag und Übergabe: Kaufvertrag, Übergabezeitraum, Einführung bei den Kunden

Unterschätze den Übergabezeitraum nicht. In der Gebäudereinigung hängen Kundenbeziehungen stark an Personen, und Hausverwalter reagieren empfindlich auf Wechsel. Drei bis zwölf Monate, in denen der bisherige Inhaber den Nachfolger begleitet und persönlich bei den wichtigsten Objekten einführt, sind eher die Regel als die Ausnahme. Diese Begleitung ist oft Teil des Kaufvertrags und wird gesondert vergütet.
Asset Deal oder Share Deal?
Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften läuft der Verkauf fast immer als Asset Deal: Der Käufer übernimmt einzelne Wirtschaftsgüter, also Kundenverträge, Maschinen, Fahrzeuge und den Kundenstamm. Bei einer GmbH ist auch der Share Deal möglich, bei dem die Geschäftsanteile den Eigentümer wechseln und der Betrieb als Ganzes samt Historie übergeht.
Der Unterschied ist für beide Seiten relevant. Käufer bevorzugen meist den Asset Deal, weil sie Altlasten aussortieren können und die erworbenen Werte abschreiben. Verkäufer wiederum stehen beim Share Deal häufig steuerlich besser, tragen dafür aber die Erwartung, dass keine Risiken im Unternehmen schlummern. Welche Variante passt, ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Rechnung, die Steuerberater und Rechtsanwalt gemeinsam aufmachen sollten.
Ein Punkt, der in der Gebäudereinigung regelmäßig übersehen wird: Kundenverträge gehen beim Asset Deal nicht automatisch über. Sie brauchen die Zustimmung des jeweiligen Auftraggebers. Wer 40 Objekte hat, führt also 40 Gespräche, und jedes davon ist eine Gelegenheit für den Kunden, den Markt neu zu prüfen. Deshalb gehört die Kundeninformation sorgfältig geplant und nicht per Serienbrief erledigt.
Mitarbeiter und Verträge beim Übergang
Geht ein Betrieb oder Betriebsteil auf einen neuen Inhaber über, treten die bestehenden Arbeitsverhältnisse nach § 613a BGB automatisch auf den Erwerber über, mit allen Rechten und Pflichten. Eine Kündigung wegen des Betriebsübergangs ist unwirksam. Die Beschäftigten sind vorher in Textform zu unterrichten und können dem Übergang widersprechen. Das ist keine Formalie, sondern der Punkt, an dem Übergaben am häufigsten holpern.

Für Reinigungsbetriebe ist das Team ohnehin der Kern des Kaufgegenstands. Wenn nach der Übergabe die Hälfte der Kräfte geht, verliert der Käufer genau das, wofür er bezahlt hat, und du riskierst Nachverhandlungen oder Kaufpreisanteile, die nie fließen. Deshalb lohnt es, die Belegschaft früh und persönlich einzubinden, statt sie über den Flurfunk erfahren zu lassen, dass der Betrieb verkauft wird.
Ebenfalls zu klären: Welche Verträge laufen weiter und welche enden? Leasing, Versicherungen, Mietverträge für Lager und Fahrzeuge, Softwareabos, Rahmenverträge mit Auftraggebern. Eine schlichte Liste aller Dauerschuldverhältnisse mit Laufzeit und Kündigungsfrist spart im Prozess Wochen. Welche Versicherungen dabei überhaupt in einen Reinigungsbetrieb gehören, steht im Beitrag Welche Versicherungen braucht eine Reinigungsfirma?
Welche Steuern fallen beim Verkauf an?
Der Gewinn aus der Veräußerung des Betriebs ist einkommensteuerpflichtig. Wer das 55. Lebensjahr vollendet hat oder dauernd berufsunfähig ist, bekommt auf Antrag einmalig im Leben einen Freibetrag von 45.000 Euro nach § 16 Abs. 4 EStG. Dieser Freibetrag schmilzt ab einem Veräußerungsgewinn von 136.000 Euro ab und ist bei 181.000 Euro vollständig aufgebraucht.
Zusätzlich sieht § 34 EStG eine Tarifermäßigung für außerordentliche Einkünfte vor, entweder über die Fünftelregelung oder, ebenfalls einmalig ab 55 Jahren, über einen ermäßigten Durchschnittssteuersatz. Ob und wie sich beides kombinieren lässt, hängt vom Einzelfall ab und will vor der Unterschrift gerechnet sein. Ein Kaufvertrag, der über den Jahreswechsel gelegt wird, kann steuerlich eine völlig andere Wirkung entfalten als derselbe Vertrag drei Wochen früher.
Eine Warnung aus der Praxis: Die Steuerfrage taucht regelmäßig zu spät auf, nämlich wenn der Preis schon verhandelt ist. Sinnvoll ist die umgekehrte Reihenfolge. Erst klären, was nach Steuern übrig bleiben soll, dann den Preisrahmen festlegen. Die Berechnung selbst gehört in jedem Fall zum Steuerberater, nicht in einen Ratgeber.
So wird der Betrieb überhaupt verkäuflich
Verkäuflich ist ein Reinigungsbetrieb, der ohne seinen Inhaber weiterläuft. Das ist die eine Frage, die jeder ernsthafte Käufer stellt, und sie entscheidet über den Preis stärker als jede Verhandlungstaktik. Ein Betrieb, in dem Objektwissen, Kundenkontakte und Kalkulation nur im Kopf des Chefs liegen, ist für den Erwerber ein Risiko und wird entsprechend abgewertet.
Vier Baustellen bringen erfahrungsgemäß am meisten. Erstens: schriftliche Kundenverträge statt mündlicher Absprachen, mit Laufzeit, Leistungsumfang und Preisanpassungsklausel. Zweitens: dokumentierte Objektdaten und Leistungsverzeichnisse, damit jede Vertretung arbeiten kann, wie es der Beitrag Leistungsverzeichnis Reinigung erstellen beschreibt. Drittens: eine Kalkulation je Objekt, die zeigt, welcher Auftrag wirklich trägt. Und viertens: eine zweite Führungsebene, die den Alltag ohne dich stemmt.
Dein Betrieb existiert nur in deinem Kopf. Das drückt den Preis.
Der Interessent sitzt am Tisch und fragt nach der Objektliste mit Stunden, Preisen und Laufzeiten. Du suchst im Ordner, in zwei Excel-Dateien und in einem WhatsApp-Chat von vor drei Jahren. Genau in diesem Moment rechnet der Käufer seinen Risikoabschlag hoch, und du merkst es nicht einmal.
- ✓Objekte, Verträge, Ansprechpartner und Fotos an einem Ort statt in Köpfen und Ordnern.
- ✓Erfasste Zeiten und Einsatzpläne machen wiederkehrende Umsätze belegbar statt behauptet.
- ✓Der Nachfolger übernimmt ein laufendes System und muss nicht dein Gedächtnis übernehmen.
Wie lange dauert das? Wer heute anfängt, hat in zwölf bis achtzehn Monaten einen deutlich besser verkäuflichen Betrieb. Das ist derselbe Weg, den ein Betrieb ohnehin gehen sollte, um zu wachsen. Der Leitfaden Reinigungsfirma skalieren: Systeme statt Chaos beschreibt die Systeme im Detail, und die Qualitätssicherung in der Gebäudereinigung liefert die Nachweise, die Käufer sehen wollen.
Nachfolge in der Familie oder extern
Die familieninterne Übergabe gilt als der einfachere Weg, ist es aber selten. Sie scheitert seltener am Geld als an unausgesprochenen Erwartungen: Wer entscheidet ab wann, was passiert mit Geschwistern, und will das Kind den Betrieb überhaupt? Klare Termine, ein schriftlicher Übergabeplan und eine externe Moderation ersparen hier viele Jahre Konflikt.
Der externe Verkauf hat es dagegen mit einem knappen Markt zu tun. Naheliegende Käufer sind größere Reinigungsunternehmen der Region, Facility-Dienstleister und einzelne Führungskräfte, die sich selbständig machen wollen. Anlaufstellen für die Suche sind die Nachfolgebörsen und die Betriebsberatung von Handwerkskammer und IHK, die auch bei der Bewertung unterstützen.
Und eine dritte Variante wird oft übersehen: die Übergabe an eine eigene Führungskraft, gestreckt über mehrere Jahre. Sie kennt die Objekte, das Team kennt sie, die Kunden auch. Der Kaufpreis wird häufig in Raten aus dem laufenden Ertrag bezahlt. Das setzt allerdings genau die dokumentierte Struktur voraus, die im vorigen Abschnitt beschrieben ist. Ohne sie ist auch die interne Lösung nur eine Hoffnung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Reinigungsfirma wert?
Maßgeblich ist die künftige Ertragskraft, nicht der Umsatz und nicht der Fuhrpark. Für kleine und mittlere Handwerksbetriebe hat sich das Ertragswertverfahren nach dem AWH-Standard etabliert, das der ZDH gemeinsam mit Betriebsberatern entwickelt hat. Es rechnet den nachhaltig erzielbaren Gewinn hoch und berücksichtigt ausdrücklich, wie stark ein Betrieb vom Inhaber abhängt.
Wie lange dauert der Verkauf einer Reinigungsfirma?
Von der Vorbereitung bis zur Übergabe vergehen meist ein bis drei Jahre. Allein die Suche nach einem passenden Käufer zieht sich, weil laut DIHK deutlich mehr Betriebe eine Nachfolge suchen als Interessenten vorhanden sind. Wer Unterlagen, Verträge und Zahlen erst beim ersten Käufergespräch sortiert, verlängert den Prozess zusätzlich.
Was passiert beim Verkauf mit den Reinigungskräften?
Bei einem Betriebsübergang gehen die bestehenden Arbeitsverhältnisse nach § 613a BGB automatisch auf den Erwerber über, mit allen Rechten und Pflichten. Die Beschäftigten müssen vorher in Textform informiert werden und können dem Übergang widersprechen. Eine Kündigung wegen des Betriebsübergangs selbst ist unwirksam.
Welche Steuern fallen beim Verkauf eines Betriebs an?
Der Veräußerungsgewinn ist einkommensteuerpflichtig. Ab dem vollendeten 55. Lebensjahr oder bei dauernder Berufsunfähigkeit gibt es auf Antrag einmalig einen Freibetrag von 45.000 Euro nach § 16 Abs. 4 EStG, der sich ab einem Gewinn von 136.000 Euro abschmilzt. Zusätzlich kommt eine Tarifermäßigung nach § 34 EStG in Betracht. Die Berechnung gehört zum Steuerberater.
Worauf sollte man achten, damit ein Reinigungsbetrieb verkäuflich ist?
Entscheidend ist, dass der Betrieb ohne den Inhaber funktioniert. Dazu gehören schriftliche Kundenverträge mit Laufzeit, dokumentierte Objektdaten und Leistungsverzeichnisse, eine belastbare Kalkulation je Objekt und eine zweite Führungsebene. Je weniger Wissen nur im Kopf des Inhabers liegt, desto geringer ist der Risikoabschlag des Käufers.
Fazit: der Preis entsteht vor dem Verkauf
Bei einem Markt mit deutlich mehr Abgebenden als Interessenten entscheidet nicht das Verhandlungsgeschick über den Preis, sondern der Zustand des Betriebs. Verträge mit Laufzeit, ein Ertrag, der nicht am Inhaber hängt, ein stabiles Team und dokumentierte Abläufe: Das sind die vier Dinge, die ein Käufer bezahlt. Alles andere ist Inventar.
Die gute Nachricht: Genau diese Arbeit macht den Betrieb auch profitabler, solange du ihn noch führst. Wer die Übergabe in drei Jahren plant, sollte heute damit anfangen. Reinigungsmarketing baut für Reinigungsunternehmen den Kundenstamm auf, der einen Betrieb später überhaupt erst wertvoll macht: Direktkunden mit wiederkehrendem Bedarf statt Einmaljobs. Was dahintersteckt, steht auf der Seite Leistungen.
Einen Betrieb aufbauen, den man kaufen will
Im kostenlosen Erstgespräch zeigen wir dir, wie du deinen Kundenstamm auf wiederkehrende Direktkunden umstellst, die den Wert deines Betriebs tragen.
Mo–Fr, 09:00–18:00 Uhr · Ansprechpartner: Dusan Andric, Leitung Beratung & Vertrieb