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Reinigungskräfte aus dem Ausland anwerben: Wege und Regeln

11. Oktober 2026Gennadios Tsachidis9 Min. Lesezeit
Reinigungsteam mit Ausrüstung auf dem Weg zum nächsten Objekt – Reinigungskräfte aus dem Ausland anwerben
Bild: Pexels

Die Gebäudereinigung ist mit rund 667.489 Beschäftigten 2025 weiterhin Deutschlands personalintensivstes Handwerk, auch wenn die Zahl gegenüber dem Hoch von 696.444 Beschäftigten 2023 um 4,2 Prozent gesunken ist, wie Zahlen des Bundesinnungsverbands zeigen (BIV Frühjahrs-Konjunkturumfrage 2026). 74 Prozent der Betriebe suchen weiterhin aktiv Personal. Wer im Inland nicht fündig wird, schaut zunehmend ins Ausland, und dafür gibt es klare, aber unterschiedlich schnelle rechtliche Wege.

Das Wichtigste in Kürze

  • →EU- und EWR-Bürger brauchen weder Aufenthaltstitel noch Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit
  • →Die Westbalkanregelung erlaubt Einstellungen ohne Qualifikationsnachweis, ist aber auf sechs Länder und ein jährliches Kontingent begrenzt
  • →Für Kräfte mit anerkannter Berufsausbildung öffnet das Fachkräfteeinwanderungsgesetz einen Weg ohne Vorrangprüfung
  • →Die Chancenkarte eignet sich für die meisten ungelernten Reinigungskräfte kaum, weil der Punkteweg einen ausländischen Studien- oder Ausbildungsabschluss voraussetzt
  • →Unabhängig von der Herkunft gilt der Tariflohn der Lohngruppe 1, 2026 bei 15,00 Euro pro Stunde, nicht nur der gesetzliche Mindestlohn

Warum suchen Reinigungsbetriebe zunehmend Personal im Ausland?

Der BIV nennt zwei Gründe für die anhaltende Personalsuche: eine typisch hohe Fluktuation in der Branche und eine wachsende demografische Personallücke. Gleichzeitig ist die Stimmung zurückhaltender als früher, 26 Prozent der Betriebe suchen aktuell gar nicht, mehr als doppelt so viele wie im Frühjahr 2024 mit 10,9 Prozent. Der Fachkräftemangel bleibt also strukturell, auch wenn ihn die aktuelle Wirtschaftslage kurzfristig überlagert.

In den Betrieben, die wir begleiten, ist das Muster ähnlich: Inseratsschaltungen und Empfehlungen allein füllen offene Stellen nicht mehr zuverlässig. Wer regelmäßig neue Objekte übernimmt, braucht einen zweiten Kanal, und der führt für viele Betriebe über Mitarbeitende aus dem Ausland, nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur lokalen Suche.

Sinnvoll ist die Reihenfolge trotzdem: Zuerst die inländischen Kanäle konsequent ausschöpfen, dann zusätzlich ins Ausland schauen. Welche Kanäle das im Inland sind und wie du sie priorisierst, zeigt der Leitfaden Reinigungskräfte finden. Wer beide Wege parallel bespielt, verkürzt die Zeit bis zur Besetzung einer offenen Stelle deutlich, statt monatelang auf eine einzelne Anzeige zu warten.

Welche legalen Wege gibt es, Reinigungskräfte aus dem Ausland einzustellen?

Drei Wege kommen für die Gebäudereinigung praktisch in Frage, und sie unterscheiden sich stark in Tempo und Voraussetzungen. EU- und EWR-Bürger dürfen aufgrund der Arbeitnehmerfreizügigkeit ohne jedes Verfahren eingestellt werden. Für Staatsangehörige aus sechs Westbalkanstaaten greift eine eigene Regelung ohne Qualifikationspflicht. Und wer eine im Ausland erworbene, anerkannte Berufsausbildung vorweisen kann, nutzt den regulären Fachkräfteweg.

Welcher Weg sich lohnt, hängt stark davon ab, wie dringend die Stelle besetzt werden muss und welche Rolle die Person später übernehmen soll. Für die klassische Unterhaltsreinigung ist die Westbalkanregelung in der Regel der direkteste Weg, für Vorarbeiter- oder Objektleiterstellen mit mehr Verantwortung lohnt sich der genauere Blick auf den Fachkräfteweg eher.

Unterstützung bei der Suche und beim Verfahren bietet die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit kostenlos an, von der Beratung bis zur Begleitung bei Informationsveranstaltungen im Ausland (ZAV, Bundesagentur für Arbeit).

Drei Wege zur Anwerbung aus dem Ausland im VergleichQualifikationspflicht je Weg (symbolisch)EU, EWR Freizügigkeitkeine Pflicht, kein VerfahrenWestbalkanregelungBA Zustimmung, kein AbschlussFachkräfteweganerkannte Berufsausbildung nötigChancenkartemeist Studium oder Ausbildung nötigEigene Darstellung nach § 26 Abs. 2 BeschV und § 20a AufenthG
Eigene Darstellung Reinigungsmarketing 2026

Wie funktioniert die Westbalkanregelung für die Gebäudereinigung?

Die Westbalkanregelung nach § 26 Abs. 2 der Beschäftigungsverordnung gilt für Staatsangehörige aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien. Anders als beim Fachkräfteweg ist kein Berufsabschluss erforderlich, solange ein konkretes Arbeitsplatzangebot vorliegt und die Bundesagentur für Arbeit zustimmt. Reglementierte Berufe sind ausgenommen, die Unterhaltsreinigung gehört nicht dazu.

Zwei Einschränkungen solltest du einplanen: Die Vorrangprüfung ist zwar seit November 2023 ausgesetzt, ein jährliches Kontingent an Zustimmungen begrenzt die Regelung trotzdem, und über dessen künftige Höhe wird politisch aktuell diskutiert. Der Antrag läuft außerdem über die deutsche Auslandsvertretung im Heimatland der Bewerberin oder des Bewerbers, nicht über ein Amt in Deutschland, was die Vorlaufzeit verlängert.

Der Ablauf selbst ist in der Praxis dreistufig: Du schließt einen Arbeitsvertrag oder ein verbindliches Angebot, die Bundesagentur für Arbeit prüft und erteilt ihre Zustimmung, und erst danach stellt die Bewerberin oder der Bewerber den Visumsantrag bei der deutschen Botschaft oder dem Konsulat vor Ort. Eine deutsche Sprachprüfung schreibt die Regelung nicht vor, in der Praxis erleichtern selbst einfache Grundkenntnisse die Einarbeitung aber erheblich, besonders bei Sicherheitsunterweisungen und Objektübergaben.

Handschlag im Büro nach der Zusage für eine neue Reinigungskraft aus dem Ausland
Bild: Pexels – Zusage nach erfolgreicher Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit

Wann lohnt sich der Weg über eine anerkannte Berufsausbildung?

Wer im Ausland eine mindestens zweijährige Berufsausbildung abgeschlossen hat, die als der deutschen Gebäudereiniger-Ausbildung gleichwertig anerkannt wird, kann über das Fachkräfteeinwanderungsgesetz einreisen, in der Regel ohne Vorrangprüfung und ohne Länderbeschränkung. Die Anerkennung übernimmt die zuständige Handwerkskammer, oft ergänzt um eine kurze Anpassungsqualifizierung, wenn einzelne Inhalte fehlen.

Das Anerkennungsverfahren selbst dauert erfahrungsgemäß einige Wochen bis wenige Monate, abhängig davon, wie vollständig die eingereichten Unterlagen sind und ob eine vollständige oder nur teilweise Gleichwertigkeit festgestellt wird. Bei einer teilweisen Anerkennung lässt sich die fehlende Differenz meist über eine Anpassungsqualifizierung oder eine Externenprüfung nachholen, ohne die gesamte Ausbildung zu wiederholen.

Dieser Weg lohnt sich vor allem für Führungsrollen wie Vorarbeiter oder angehende Objektleiter, weniger für die klassische Unterhaltsreinigung, wo die Westbalkanregelung meist der schnellere Weg bleibt. Wie du die Rolle des Objektleiters im Betrieb überhaupt aufbaust, zeigt der Leitfaden Objektleiter finden und entwickeln.

Ist die Chancenkarte eine Option für Reinigungskräfte ohne Abschluss?

Die Chancenkarte nach § 20a AufenthG richtet sich an Fachkräfte zur Jobsuche, nicht an ungelernte Arbeitssuchende. Wer die gesetzliche Fachkraftdefinition erfüllt, braucht keine Mindestpunktzahl, alle anderen müssen über den Punkteweg mindestens sechs von möglichen Punkten erreichen, berechnet aus Qualifikation, Berufserfahrung, Sprachkenntnissen und Alter. Der Punkteweg setzt dabei einen im Ausland abgeschlossenen Studien- oder Ausbildungsgang voraus.

Für die meisten Bewerberinnen und Bewerber ohne formale Qualifikation fällt die Chancenkarte damit praktisch weg. Sie bleibt eine Option für künftige Objektleiterinnen oder Teamleiter mit kaufmännischer oder technischer Ausbildung im Herkunftsland, nicht für die breite Unterhaltsreinigung.

Wer die Chancenkarte erhält, darf während der Suchphase von bis zu einem Jahr im Schnitt höchstens 20 Wochenstunden arbeiten, ergänzt um kurze Probebeschäftigungen. Das reicht für einen ersten Eindruck vom Betrieb, ersetzt aber keine volle Stelle. Erst ein anschließendes qualifiziertes Jobangebot mit Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit öffnet den Weg in einen regulären Aufenthaltstitel.

Welchen Lohn müssen ausländische Reinigungskräfte bekommen?

Unabhängig von Herkunftsland oder Aufenthaltstitel gilt der allgemeinverbindliche Tariflohn der Gebäudereinigung. 2026 liegt Lohngruppe 1 für die Innen- und Unterhaltsreinigung bei 15,00 Euro pro Stunde, deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro. Wer diese beiden Werte verwechselt, zahlt zu wenig und riskiert Nachforderungen, auch rückwirkend.

Zum Tariflohn kommen Personalzusatzkosten von rund 29 Prozent für Sozialabgaben und weitere Nebenkosten (Destatis, Arbeitskosten und Lohnnebenkosten). Bei der Westbalkanregelung und dem Fachkräfteweg prüft die Bundesagentur für Arbeit außerdem, ob die angebotenen Konditionen mit vergleichbaren inländischen Stellen übereinstimmen, ein Dumpinglohn verhindert die Zustimmung von vornherein. Wie du den Stundensatz dahinter überhaupt kalkulierst, erklärt der Leitfaden Stundensatz in der Gebäudereinigung kalkulieren.

Als Arbeitgeber trägst du außerdem eine eigene Prüfpflicht: Vor Beschäftigungsbeginn musst du dir den Aufenthaltstitel samt Arbeitserlaubnis vorlegen lassen und die Angaben dokumentieren, nicht nur einmal beim Einstellungsgespräch, sondern nachvollziehbar über die gesamte Beschäftigungsdauer. Läuft ein befristeter Titel aus, ohne dass eine Verlängerung vorliegt, endet damit auch die Beschäftigungserlaubnis, unabhängig vom bestehenden Arbeitsvertrag.

Wie gelingt das Onboarding neuer Kräfte aus dem Ausland?

Die Genehmigung ist nur die halbe Arbeit. Neue Kräfte brauchen von Tag eins an eine klare Schichtplanung, Ansprechpartner und ein Verständnis der Objekte, sonst steigt die Fluktuation genau dort wieder, wo du sie gerade geschlossen hast. Sprachbarrieren machen Übergaben per Zettel oder Gruppenchat unzuverlässig.

Bewährt hat sich ein Patenmodell: Eine erfahrene Reinigungskraft begleitet die neue Kollegin oder den neuen Kollegen für die ersten zwei bis vier Wochen direkt im Objekt, ergänzt um einfache, bebilderte Reinigungspläne statt langer Textanweisungen. Das senkt die Fehlerquote in der Einarbeitung spürbar und macht die Investition in die Anwerbung schneller wieder wett.

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Drei neue Kräfte starten Montag. Keiner weiß, wer wohin fährt.

Die Zustimmung ist da, die Papiere sind da, aber der Schichtplan steht noch in einer WhatsApp-Gruppe mit drei verschiedenen Sprachen. Am ersten Tag fehlt ein Schlüssel, am zweiten weiß niemand, welches Objekt welche Ausstattung hat.

  • ✓Schichten, Objekte und Ansprechpartner stehen an einer Stelle, mit Kalender-Sync für jede neue Kraft.
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Ein durchdachtes Onboarding entscheidet am Ende mehr über den Erfolg als die Anwerbung selbst. Welche Pflichtinhalte in den Arbeitsvertrag gehören, unabhängig von der Herkunft der Mitarbeitenden, zeigt der Leitfaden Arbeitsvertrag für Reinigungskräfte, und welche weiteren Kanäle im Inland die Suche ergänzen, erklärt der Beitrag Reinigungskräfte finden.

Häufig gestellte Fragen

Brauchen Reinigungskräfte aus dem Westbalkan eine Qualifikation?

Nein. Die Westbalkanregelung nach § 26 Abs. 2 BeschV verlangt keinen Berufsabschluss, solange ein konkretes Arbeitsplatzangebot vorliegt und die Bundesagentur für Arbeit zustimmt. Sie gilt für Staatsangehörige aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien, ausgenommen reglementierte Berufe.

Wie lange dauert die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit?

Eine feste Frist gibt es nicht, in der Praxis rechnen Betriebe mit mehreren Wochen bis wenigen Monaten, je nach Auslandsvertretung und Vollständigkeit der Unterlagen. Der Antrag läuft über die deutsche Auslandsvertretung im Herkunftsland, nicht direkt in Deutschland, was zusätzliche Zeit kostet.

Dürfen Bürger aus der EU ohne Genehmigung in der Reinigung arbeiten?

Ja. EU- und EWR-Bürger genießen volle Arbeitnehmerfreizügigkeit und brauchen weder einen Aufenthaltstitel noch eine Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit. Sie können direkt eingestellt werden, müssen lediglich melderechtlich und sozialversicherungsrechtlich wie jeder andere Beschäftigte behandelt werden.

Welchen Lohn muss ich ausländischen Reinigungskräften zahlen?

Mindestens den allgemeinverbindlichen Tariflohn der Lohngruppe 1, 2026 bei 15,00 Euro pro Stunde, nicht nur den gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro. Der Branchentarif gilt unabhängig von Staatsangehörigkeit oder Aufenthaltstitel für jede Unterhaltsreinigungskraft in Deutschland gleich.

Was passiert, wenn ich jemanden ohne gültige Arbeitserlaubnis beschäftige?

Das gilt als illegale Beschäftigung und kann Bußgelder, Nachzahlungen von Sozialabgaben und im Wiederholungsfall den Ausschluss von öffentlichen Aufträgen nach sich ziehen. Arbeitgeber müssen den Aufenthaltstitel und die Arbeitserlaubnis vor Beschäftigungsbeginn prüfen und dokumentieren, nicht erst im Nachhinein.

Fazit: Der passende Weg hängt von der Qualifikation ab

Es gibt nicht den einen Weg, Reinigungskräfte aus dem Ausland zu gewinnen, sondern drei unterschiedlich schnelle. EU-Bürger lassen sich sofort einstellen, die Westbalkanregelung öffnet einen Weg ohne Qualifikationsnachweis, und der Fachkräfteweg lohnt sich vor allem für Führungsrollen mit anerkannter Ausbildung. Die Chancenkarte bleibt für die meisten Reinigungskräfte dagegen eher die Ausnahme als die Regel. Entscheidend ist in jedem Fall, den Lohn korrekt nach Tarif zu zahlen, die Aufenthaltspapiere lückenlos zu prüfen und das Onboarding von Anfang an klar zu organisieren.

Reinigungsmarketing unterstützt Betriebe nicht bei Visa oder Aufenthaltsverfahren, aber dabei, mit den neu aufgebauten Kapazitäten auch die passenden Kunden zu gewinnen. Wer Personal aufbaut, sollte parallel auch den Auftragsfluss sichern, damit sich die Investition trägt.

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